Törnbericht von den "Kids"

Zeitraum : 30. 09. - 07. 10. 2006
TROGIR - VIS/Vis - HVAR/Hvar - VRBOSKA/Hvar - POVLJA LUKA/Brac -
MILNA/Brac - NECUJAM/Solta - TROGIR - 153 sm
Unser Schiff: Bavaria 47 "Zoe" von ECKER YACHTING, Ried/Innkreis

Einmal Segeln, immer Segeln. Diese Erfahrung haben schon viele Crews vor uns gemacht. Für mich als Binnenlandbewohner hat die Adria nicht nur eine historische Bedeutung, sie ist als Segelrevier in Europa einfach unschlagbar und konkurrenzlos. Der uns allen bekannte Reiz dieser abwechslungsreichen Küste mit ihren vielen vorgelagerten Inseln und Buchten, die Nähe zum Heimatort und nicht zuletzt doch die gemeinsame Vergangenheit, deren Spuren allerorts zu finden sind, veranlasst mich immer wieder dieses Land per Auto, aber auch mit einer Segelyacht zu bereisen. Urlaub in Dalmatien ist mir Labsal für die Augen und dem Wohlbefinden für Leib und Seele sehr zuträglich.

Meine Segelfreunde empfinden zum Glück genauso und so haben wir uns vor Jahren vorgenommen, die Dalmatinische Küste und ihre Inseln wieder einmal, und diesmal einigermaßen lückenlos, mit komfortableren Segelyachten zu erkunden. Vieles, was wir schon kennen, zu besuchen und die interessanten Orte, die wir bisher aus irgendwelchen Gründen auslassen mussten, aufzusuchen. Dabei wollen wir keine Seemeilen schinden, verzichten auf Nachtfahrten und nehmen das Wetter so wie es eben ist. Die Tagesziele richten sich nach Wind und Wellen und unserem persönlichen Wohlbefinden. Heuer haben wir uns das Gebiet südlich von Trogir mit den Inseln vorgenommen. Dubrovnik wollen wir nur bei idealen Bedingungen erreichen.

Toern

Wie es eben so ist, hat die Woche mit Starkwind in der Nordadria und Schwachwind aus SE in der Zentraladria begonnen und unsere Pläne massiv beeinflusst. Na ja, dann besuchen wir halt den "Löwen von Lissa", für dessen Wiedererrichtung der YMA seinerzeit eine großzügige Spende geleistet hat. Mit den Erinnerungen an das vom österreichischen Marineverband vor Jahren veranstaltete Fest in alten Uniformen und Gebräuchen aus einer Zeit, in der Österreich in Europa eine Großmacht war, segeln wir in den Stadthafen Vis und marschieren zum Friedhof. Überraschung, Überraschung, das Denkmal wurde renoviert und der Plastiklöwe durch einen steinernen Löwen ersetzt. Ich sehe das positiv, denn für den Plastiklöwen habe ich mich doch ein wenig geniert. Die Idee selbst war gut aber das Ergebnis habe ich immer als ein Provisorium angesehen und gehofft, dass sich im Laufe der Zeit potentere Sponsoren für einen standesgemäßen Löwen aus Stein finden werden. Bekränzt mit zwei Lorbeerkränzen, liegt nun der vom "Schwarzen Kreuz" gestiftete neue Löwe schlafend auf seinem Podest und erinnert so an die ruhmreiche Schlacht der Österreicher gegen die Italiener, vor 140 Jahren. Das Original haben die Italiener nach dem ersten Weltkrieg entfernt und in Livorno aufgestellt. Die Schande wegen der verlorenen Schlacht gegen die Österreicher dürfte dazu den Ausschlag gegeben haben.

Ankunft in Trogir Löwe von Lissa

Die Insel Lastovo, unser nächstes Ziel, wäre eine reine Motorfahrt geworden. Unterwegs ändern wir unseren Tagesplan und segeln bei schwachem SE bis zur Hafeneinfahrt von Hvar. Der Hafen war voll mit ankernden Yachten und der Kai voll belegt. Mit viel Glück finden wir eine Lücke in der es sich ein Schlauchboot gemütlich gemacht hat und legen unter Muring und Heckleinen vor einem Cafe an. Der Aufstieg zur Burg mobilisiert unseren Kreislauf, aber der Ausblick auf die Stadt und den Hafen war es wert, sich ein wenig anzustrengen. Leider wurde unsere Nachtruhe von den Crews der Nachbarschiffe gestört und der Abschied am nächsten Morgen viel uns nicht gerade schwer.

Am nächsten Tag runden wir die Westseite der Insel Hvar und nehmen Kurs auf Vrboska. Nach vielen Wenden erreichen wir endlich das "Venedig" Dalmatiens und finden, zur Freude unserer Köche, einen gut sortierten Fleischhauer.

Hvar Vobroska

Im gut geschützten Hafen erhalten wir eine Navtex Nachricht, die uns etwas aus der Ruhe bringt. Die Schlechtwetterfront, die in der Nordadria für Windspitzen bis über 40 Knoten gesorgt hat, hat die Zentraladria erreicht und bewegt sich langsam südostwärts. Mit dem beschaulichen Segeln ist es vorbei und Starkwind ist angesagt. Es steht Schwell im Hafen und der Bericht von Ernst, der sich "draußen" das Wetter angesehen hat, lässt Schlimmes erahnen. Von hohen Wellen und brechenden Kämmen im gesamten Bereich zwischen der Insel Hvar und dem Festland. berichtete er uns.

Was wir dann später erleben durften: Starkwind 7-8, See 4-5, Regen, Gewitter und ein auf den Wellenkämmen tanzendes Schiff. Der Autopilot gibt auf und unser Jandi übernimmt ohne zu zögern das Steuer. Gerade er, der nach einer längeren Pause und der festen Absicht nie mehr auf dem Meer segeln zu wollen, steuert uns in einer rauschenden Berg- und Talfahrt um die Osthuk von Brac nach Povlja. Ich habe es vorgezogen das letzte Stück in meiner Koje zu verbringen und alles meinen Freunden zu überlassen. Nächstes Mal werde ich wieder zu dem bewährten Echnatol B6 greifen. Ich will es einfach nicht mehr wissen, ob es auch ohne geht!

Beim Restaurant Pipo, in der Bucht Luka, haben wir wieder festen Boden unter den Füssen und hängen das nasse Zeugs auf der Reling auf. "Die schon schwer geprüfte Bordkassa bleibt heute geschlossen", wie Franz, unser Zahlmeister, mit Genugtuung feststellen durfte. Trotzdem Essen vom Feinsten an Bord. Willi, Gerhard und Ernst, unsere Köche, haben gezaubert. Am Rande sei noch vermerkt, dass ein Teil der unbeaufsichtigten und bereits auf der Erde liegenden bunten Paprika, aus dem Gärtchen von Pipo, den Weg in unsere Kochtöpfe gefunden hat. Danke Pipo, du wirst das nie erfahren, weil du dein schönes Lokal in dieser herrlichen Bucht schon so früh verlassen hast.

Starkwind Bucht Luka

Dementsprechend gestärkt verlassen wir am nächsten Morgen dieses Paradies und bewegen uns, abwechselnd unter Segel und unter Motor, an das westliche Ende der Insel Brac, nach Milna. Der SE bleibt uns in einer stark abgeschwächten Form erhalten. Der zu dieser Zeit noch sehr gut besuchte Hafen in Milna verwöhnt uns mit warmem Wasser und sauberen Duschen. Die gute alte "Ignatia" liegt herrlich renoviert mit neuen Holzmasten an ihrem alten Platz in der Marina und ist zu einem Wahrzeichen dieser kleinen Stadt geworden. Ob das Schiff noch dem Franz aus dem Waldviertel gehört? Konnte leider nicht geklärt werden. Ebenso, ob er noch mit der jungen Engländerin zusammen ist. Er ist ja auch schon etwas in die Jahre gekommen! So wie wir, mit unseren alten Gelenken und diversen Wehwehchen.

Am letzten Tag hat der Wind nach Norden gedreht. Es scheint wieder die Sonne und wir sind schon sehr nahe an unserem Zielhafen Trogir. Ich erinnere mich an die Bucht Necujam auf der Insel Solta und empfehle meiner Crew, zwecks einer Mittagspause, einen Stopp auf diesem kleinen Eiland. Mit Schwimmen im nicht sehr tiefen Wasser vergeht die Zeit. Die angezeigte Temperatur schwindelt uns 23,4°C vor. Es muss ja nicht alles stimmen, was die Electronic so anzeigt. Aber das letzte Essen an Bord war wieder ein Genuss.

Rechtzeitig in der Marina Trogir angekommen führt unser Walter das Schiff zielsicher zu seinem Liegeplatz. Die gute "Zoe" wehrt sich ein bisschen und will nicht in ihre Box. Ich nehme an, dass sie noch gerne ein paar Tage mit uns unterwegs gewesen wäre. Ende gut, alles gut.

Milna Trogir

Resümee:

Es war wieder eine schöne Woche mit den alten Spezis. Wir sind gesegelt und gemotort. Haben die alten Ziele von damals besucht, wenig Neues entdeckt und uns viel zu erzählen gehabt.

Haben die Berichte in den diversen Segelzeitungen über Abzocke und nicht dazu passenden Gegenleistungen bestätigt gefunden. Aber es geht auch anders, wie unser Besuch im von Franz Reithmayr (SCR) empfohlenen Restaurant "Kamerlengo" in Trogir gezeigt hat. Freundliche Bedienung und bestes Essen zu moderaten Preisen haben wieder alles ins Lot gebracht. Danke Franz.

Und die vielen neuen interessanten Orte, die wir uns zu besuchen vorgenommen haben? Die suchen wir das nächste Mal, zumindest haben wir uns das wieder ganz fest vorgenommen.

Klaus D. Prtak