Ferngesteuertes Segeln - Radio Sailing

Segeln ist ein schönes und spannendes Freizeitvergnügen. Das gilt nicht nur für die großen Segelboote, sondern auch für die kleinen. Wir haben uns informiert, was es wirklich mit Modellsegeln in sich hat.

Ferngesteuertes Segeln, kurz RC-Segeln, wird seit vielen Jahren betrieben. Die Boote sehen zwar den großen Segelbooten ähnlich, sind aber keiner Klasse nachgebaut, sondern je nach Klassenbestimmungen optimiert. Es sind reine Sportgeräte, konstruiert und gebaut nach modernsten Erkenntnissen aus Materialien der Hochtechnologie.

Wie auch bei anderen Segelsportarten gibt es bei uns mehrere Klassen, angefangen mit der: E-Klasse, der kleinsten - Rumpflänge max. 1 Meter, über die M-(Marblehead) Klasse - Rumpflänge max. 127 cm, zu den Ten Ratern, unserer größten Klasse - hier wird die Rumpflänge nach einer Formel in einem bestimmten Verhältnis zur Segelfläche errechnet. Die Marblehead Klasse ist eine Entwurfsklasse mit Booten mittlerer Größe. Entstanden ist sie in den USA, genauer im Städtchen Marblehead, woher diese Klasse den Namen geerbt hat. Die ursprüngliche Konzeption in den 30er Jahren war, ein Boot zu bekommen, das noch vernünftig in ein durchschnittliches Auto dieser Zeit passen sollte. Die wesentlichsten Design-Festlegungen sahen vor, dass die Boote eine Rumpflänge von 50 Zoll und eine Segelfläche von 800 Quadratzoll haben sollten. Daher wird die Klasse auch heute noch in den USA manchmal als 50/800 bezeichnet. Die Regatta in Weiden am See wird heuer mit Booten dieser Klasse gefahren.

RC-Segeln wird auf der ganzen Welt betrieben, auf nationalen Ebenen gibt es unzählige Regatten, in vielen Ländern auch Staatsmeisterschaften, dann internationale Wettbewerbe bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaften. In vielen Ländern existieren Ranglisten, aus denen sich die Teilnehmer für Staatsmeisterschaften und große internationale Wettbewerbe rekrutieren. Die Basis bilden die Vereine, die Mitglieder der nationalen Verbände sind. Diese wiederum sind Mitglieder der NAVIGA (Weltorganisation für Schiffsmodellbau und Schiffsmodellsport), eines internationalen Verbandes, dessen Name vom Begriff "Navigation" abgeleitet wurde. Der Sitz der NAVIGA ist Wien. Die NAVIGA hat das Ziel, den Schiffsmodellbau und den Schiffsmodellsport zu fördern und zu verbreiten sowie freundschaftliche Beziehungen zwischen allen Schiffsmodellbauern und Schiffsmodellsportlern unter Ausschluss jeder politischen, rassistischen, konfessionellen oder gewerblichen Betätigung zu pflegen. Dieser Verband führt Weltmeisterschaften, weltweite Wettbewerbe und internationale Wettkämpfe durch und gibt hierfür für alle Mitglieder verbindliche Regelwerke, Vorschriften und Ordnungen heraus.

Der Allgemeine Österreichische Schiffsmodellbau-Verband AÖSMV hat die Aufgabe, alle österreichischen Schiffsmodellbauer und Sportler zu vereinigen und deren Interessen beim Weltverband NAVIGA zu vertreten. Der AÖSMV hat die Möglichkeit des internationalen Gedankenaustausches und des weltweiten internationalen Wettbewerbes zu schaffen. Er kann Staatsmeisterschaften, Europameisterschaften sowie Weltmeisterschaften durchführen.

Die NAVIGA betreibt außer dem Segeln noch viele andere Schiffsmodellsparten, die in Sektionen zusammengefasst werden und jeweils von einem Sektionsleiter betreut werden. Dazu gehören die Sektion für vorbildgetreue Standmodelle C. Diese Sektion, die in 7 Klassen und 10 Untergruppen unterteilt ist, wird als die "Königsklasse des Schiffmodellbaus" bezeichnet. Die Sektion für Modellrennboote FSR, deren ferngesteuerte Boote nur mit Verbrennungsmotoren fahren. Die Sektion für Motormodelle, ebenfalls Rennboote, teils mit elektrischem Antrieb, die Sektion für vorbildgetreue Fahrmodelle NS, deren Schiffe und Boote maßstabgetreue Modelle sein müssen.

Für das ferngesteuerte Segeln ist die Sektion S zuständig. Sie arbeitet das verbindliche Reglement aus, das wiederum aus den Vermessungsvorschriften für die einzelnen Klassen und den Wettfahrtregeln, die während einer Regatta angewendet werden, besteht. Die Sektion ist auch für die Veranstaltung von Kontinental- und Europameisterschaften zuständig. Diese werden von einem nationalen Mitgliedsverband der NAVIGA durchgeführt.

Beim ferngesteuerten Segeln werden die Befehle für das Ruder und für die Segelverstellung übertragen. Dadurch ist richtiges Segeln möglich. Da es mehrere verschiedene Frequenzen zur gleichzeitigen Benutzung gibt, kann in Gruppen wie bei den Regatten der Großen gesegelt werden. Diese Gruppen sind normalerweise bis zu 16 Boote groß. Ist das Starterfeld größer als ca. 16 Boote, wird in mehreren möglichst gleich großen Gruppen gesegelt. Es kommt hier auf gutes Erkennen des Windes, taktisches Geschick und gutes räumliches Sehen an. Die Wettfahrtregeln sind bis auf kleine Anpassungen mit den Großen identisch. Die Vermessungsvorschriften sind natürlich ganz spezifisch auf die einzelnen Klassen zugeschnitten.

Zur Beschaffung der Boote gibt es mehrere Möglichkeiten, je nach Geschick und Ambitionen des Seglers. Entweder man baut ein Boot komplett selbst, was aber umfassende Kenntnisse in Metall-, Kunststoffverarbeitung und Segelmachen erfordert. Meist werden die Einzelteile bei zuständigen Firmen eingekauft und die Boote dann selbst fertig gestellt. Man kann aber auch ein regattafertiges Boot komplett einkaufen, was allerdings ziemlich teuer kommt. Auf der anderen Seite aber kostet dann der Betrieb des Bootes praktisch nichts und so ein Boot wird normalerweise auch nicht kaputt. Es fallen nur mehr die Reisekosten zu den Veranstaltungen an.