Von den Ionischen Inseln nach Athen

Unterwegs mit der "AMBIENCE"

Allgemeine Betrachtungen:
Der Wunsch, durch den Kanal von Korinth zu fahren, stand schon im vorigen Jahr fest. "Man soll sich immer ein Ziel setzen und es auch verwirklichen". Dieser Leitsatz hat sich in all den Jahren in uns eingeprägt und immer eine lange Vorfreude ermöglicht. Die Vorfreude mündete wenig später in ein Gespräch mit dem Eigner der "Ambience", in weiterer Folge mit dem Abschluss eines Chartervertrages für einen dreiwöchigen Törn und in eine Unzahl an Programm-Änderungen. Insgesamt waren an dem Unternehmen 11 Crewmitglieder mit teilweise unterschiedlichen Vorstellungen beteiligt. Auch der Abschluss einer Charter-Versicherung bei Pantaenius war gut angelegt.
Die Stammcrew wird von Korfu nach Athen segeln und eine aufgefrischte Crew den Cat von Athen nach Rhodos weitersegeln. So weit der Plan.
Das Wetter stellten wir uns so vor: Badewetter, sehr angenehm mit moderaten Winden und diese aus der gewünschten Richtung. Um es vorweg zu nehmen, wir erlebten gleich am ersten Tag eine herbe Enttäuschung. Begonnen hat der Törn mit wenig Wind auf die Nase und geendet hat er mit stürmischen Verhältnissen in der gesamten Ägäis. Und das allen Prognosen und Wetterberichten zum Trotz.

Samstag 27. 09. 2008
Nach einem ruhigen Nachtflug mit Fly NIKI von Wien nach CORFU stehen wir verschlafen am Airport und suchen unser Gepäck zusam-men. Nach einer kurzen Taxifahrt durch die gerade erwachende Stadt laden wir unser Gepäck wenig später in der Marina Gouvia aus, suchen die "Ambience" und versuchen den Schlaf aus unseren Gliedern zu schütteln. Allen gelingt es, nur mir nicht. Erste logistische Überlegungen werden angestellt und gleich wieder verworfen. Die Crew entscheidet sich für eine Fahrt in die Altstadt von Corfu und ich versuche dort mit immer langsamer werdenden Schritten über die Runden zu kommen. Meine Freunde zieht es zur Festung und auf die Warte hinauf. Kann mir das noch nicht richtig vorstellen und beginne mit Nikolaus, genannt Niki, einen Rundgang auf der untersten Ebene. Der erste Blick aufs gekräuselte Meer belebt meine Lebensgeister. Eine Labung unter den Arkaden verstärkt diesen Zustand und ich beginne mich geistig auf die Schiffsübernahme am Nachmittag einzustellen.

Sonntag 28. 09. 2008
Der Cat ist fertig zum Auslaufen. Das erste Ablegemanöver gelingt problemlos und Walter steuert den Cat aus der Marina. Ein letzter Blick auf die Flotte der Wasserflugzeuge und ab geht's in Richtung Süden. Wo ist der moderate Wind? Die beiden Diesel brummen im Gleichklang und wir freuen uns schon auf den Kaffee auf PAXOI. Auf dieser Fahrt hatten wir das erste Erlebnis mit einer Wasserhose, die sich bedrohlich aber in sicherer Entfernung gebildet hat. Alle Fotoapparate klicken und ein Blick durch das Bordfernglas bringt Niki zu dem Entschluss, nach diesem Törn einen Augenarzt aufzusuchen. Er sieht Doppelbilder. Das alte Fernglas hat sicher schon so manchen Absturz erlebt.

Setzen den Kurs auf die Einfahrt von GAIOS (PAXOI) ab. Willi gelingt es, die verzogene Türe unseres wassergekühlten Kühlschranks zu reparieren. Die Bierdosen werden nicht mehr vereisen. Der Kühlschrank ist 24 Stunden im Dauerlauf gelaufen.

Der Ort GAIOS ist noch voll im Touristenfieber und die Schanigärten sind gut besucht. Erinnerungen werden wach. Etwa der verzweifelte Versuch von Jandi, der einmal vor Jahren keine Ringe zum Festmachen unserer Heckleinen gefunden hat und mit einer sehr langen Spring das Boot an einem Kandelaber der Uferbeleuchtung festmachen wollte. Dieser Versuch brachte mir damals ein ernstes Gespräch mit dem Hafenkapitän ein. Habe ich dem Jandi aber schon lange verziehen. Er entwickelte sich zu einem sehr wertvollen Crewmitglied.

Montag 29. 09. 2008
Verlassen Gaios und nehmen Kurs auf LEFKAS. Wieder zu wenig Wind zum Segeln. In einiger Entfernung begleitet uns eine schwarze Wolke. Ein Rüssel bricht durch und saugt das Meerwasser hinauf. Die Gischt spritzt mindestens 10 Meter hoch. Aus der Literatur weiß ich, dass Wasserhosen in der Adria auf eine Insel zulaufen und bei Landberührung zusammenbrechen. Sollten sie, aber auch diese tut es nicht. Nach ca. 7 Minuten zieht die Wolke den Rüssel ein. Die Energie war verbraucht. Der nachfolgende Regen hat uns nur gestreift. Nach der zweiten Sichtung einer Wasserhose ist die Crew sensibilisiert. Wird das so weiter gehen?

Müssen vor der Einfahrt in den Lefkas-Kanal mit einigen anderen Booten warten. Die Gegend ist versandet. Das wird einem Segler zum Verhängnis. Er läuft in voller Fahrt auf eine Sandbank auf und wird ordentlich durchgeschüttelt. Für uns ist die Durchfahrt frei und der Cat gleitet langsam durch den Kanal in das geschützte Segelrevier der Ionischen Inseln. Vorbei an NIDRI und in die dahinter liegende Bucht nach VLYCHON.

Vor seinem Minimarkt wartet schon der alte Spiros und winkt uns an seinen Steg heran. "Wie geht es dir Spiros?" frage ich ihn. Er nimmt sich keine Zeit für eine Antwort sondern fragt nur "Germany?" "Nein Austria" sage ich. "Ah Wien ist schöne Stadt… und die schöne Musik ja, ja die Musik… ihr könnt duschen kommen das Wasser ist schon warm… habe ich auch einen…gute selbst gemachte Cognac" "Ich weiß schon" sage ich drauf "den machen Vater, Mutter und Sohn vom Bauern in 1000 Meter, haben da oben Bauernhof". So laufen alle meine Besuche bei ihm ab. Er freut sich über die neue Kundschaft und wir haben einen Minimarkt mit "Komfortduschen", unweit von unserem Cat.

Dienstag 30. 09. 2008
Wollen heute eventuell eine größere Strecke in Angriff nehmen. Habe ja in unserem Programm die Insel ZAKYNTHOS als unser südlichstes Ziel vorgeschlagen. Walter ist skeptisch und meint, dass sich das nicht ausgehen wird. Vor uns liegt die Insel SKORPIOS, die heute der Enkelin von Aristoteles Onassis gehört. Ich beginne die Crew auf die Durchfahrt zwischen der Insel SKORPIOS und einer kleinen im Norden der Insel liegenden Miniinsel einzustimmen, als sich schlagartig das Motorgeräusch ändert. "Motor aus" und die Ursache suchen. Willi, unser Bordmechaniker und 1. Koch, meldet aus dem Motorschacht des Backbordrumpfes: "Da ist ein Keilriemen gerissen und da hängt eine Pumpe dran". Die Suche nach einem Ersatzkeilriemen war ohne Erfolg. Erst ein Telefonat mit dem Eigner hilft uns weiter. Nach 1 1/2 Stunden steigt Willi total verdreckt aus dem Motorschacht. Um zum abgerissenen Keilriemen zu kommen, musste er sich quasi auf den warmen Motor legen. Die Pumpe befindet sich hinter dem Motor und ist schwer zugänglich. Nur das Meer ist ruhig, wir sind es nicht mehr.

Bevor wir Marschfahrt aufnehmen können, meldet Sedi ein komisches Geräusch unterhalb seiner Koje. Das kann nur wieder die Pumpe im selben Motorschacht sein. War es diesmal nicht, aber die Bilgepumpe läuft und kann nicht abgestellt werden. Willi, frisch gebadet, zieht wieder sein dreckiges T-Shirt an und stellt die Ursache fest. Eine Schlauchverbindung von der Bilgepumpe ist aufgegangen und die Pumpe füllt den Schachtbrunnen immer wieder mit Meerwasser auf. Die Automatik hat wenigstens funktioniert. Willi repariert notdürftig die etwas eigenwillige Konstruktion. Die Schrauben von den Schlauchbindern sind abgenudelt und lassen sich nicht mehr festziehen.

Der Zeitverlust, das bisschen Wind aus der "falschen" Richtung und unser Ärger haben es nicht zugelassen, an eine größere Tagesstrecke zu denken. Wir motoren zum Leukadischen Felsen bei VASILIKI und besuchen jene Stelle, wo sich im 7. Jhdt. v. Chr. die unglückliche Dichterin Sappho wegen ihrer Liebe zu Phaon, aus Liebeskummer über einen 72 Meter hohen und steilen Felsen ins Meer stürzte und so ihrem Leben ein Ende gesetzt haben soll. Niki liest uns die tragische Geschichte aus einem kleinen Büchlein vor. Sedi kennt die Geschichte und den Ort von früher und erinnert sich an die Reisen mit seiner Gattin und dem Camper.

Den Abend verbringen wir in VATHI auf der Insel ITHAKA. Belohnen uns mit griechischen Spezialitäten und lassen den Tag ausklingen. Ein Hoch unserem Willi, er hat dafür gesorgt, dass wir an diesem Tag noch so weit gekommen sind.

Mittwoch 01. 10. 2008
Nachdem uns der Wassermann die Tanks aufgefüllt hat, und ich ZAKYNTHOS aus dem Programm genommen habe, setzen wir den Kurs nach PATRAS ab. Eine glatte Überfahrt, wieder unter Motor, aber bereits unter einem bedeckten Himmel und wenig Wind. Gerade noch vor einem heftigen Regenschauer treffen wir in PATRAS ein. Den Regen selbst wettert die Crew unter Sonnenschirmen sitzend, im Marinabeisl ab. Unterwegs hat sich die Bilgepumpe noch einmal gemeldet und uns daran erinnert, dass hier noch eine Reparatur notwendig ist. Willi und Walter wandern in die Stadt und besorgen den passenden Schlauch samt Schlauchbinder. Wind kommt auf. Ich stelle fest, dass das Windmesserrad vom Anemometer auf dem Masttopp steckt und hoffe auf mehr Wind, der es wieder in Schwung bringen wird. Die fahrende Tankstelle parkt vor unserem Steg. Eine günstige Gelegenheit, um unsere Dieselvorräte zu ergänzen. Die Stadt selbst hat uns nicht sonderlich interessiert. Eine laute Hafenstadt halt. In der Plicht sitzen und den großen Fährschiffen beim An- und Ablegen zuschauen ist auch interessant.

Donnerstag 02. 10. 2008
Der Wetterbericht ist schlecht. Die Sicht auch und wir beschließen mit dem Auslaufen zu warten. Um 10:30 Uhr geht es los. Walter nimmt Kontakt mit der neuen Spannbrücke auf, die das Festland mit dem Peloponnes verbindet. Zwischen welchen Pfeilern ist die Passage für uns erlaubt?

Das Wetter bessert sich und Ernstl steuert unter Motor auf die Brücke zu. Wir stellen einen Linksdrall bei unserem Steuermann fest, der nicht auf den kilometerbreiten Zwischenraum zusteuert sondern auf den linken Pfeiler. Ist er von der Konstruktion so fasziniert? Nach einer kurzen aber heftigen Diskussion gelingt uns die Fahrt durch das zugewiesene Feld. Denken kurz an die Möglichkeit eines Erdbebens und setzen uns zum Mittagessen im Salon zusammen. Kanal 16 meldet "Sailingboot change your direction, you drive in the shoals".

Wer macht denn so etwas? Plötzlich meldet der Rudergänger " da vorn schaut`s aber komisch aus, schaut`s euch das an…". Eine blitzschnelle Kursänderung hat uns davor bewahrt, direkt in die von einer Landzunge aus weit ins Meer ragenden Untiefen zu laufen. Gott sei Dank war nicht der Autopilot unser Steuermann.

Das Tagesziel GALAXIDI rückt näher. Willi unternimmt den zweiten Versuch, die Bilgepumpe mit einem neuen Schlauchstück und neuen Schlauchbindern abzudichten. Erfolgreich. Zur Krönung seines Arbeitstages wird er mit dem Bootsmannstuhl zum Masttop hinaufgehievt. Er hat sich vorgenommen das Ganze da oben mit Kriechöl zu behandeln. Mit fünf Fotoapparaten als zusätzlichen Ballast kurbeln Ernstl und ich unseren Bordmechaniker und 1. Koch hinauf. Er war wieder sehr erfolgreich, aber ob Willi noch einmal mit uns auf einen gemütlichen Segeltörn gehen wird?

In GALAXIDI liegt eine fast leere Mole vor uns. Alles neu betoniert und gestaltet. Wurden da unsere EU-Gelder sinnvoll investiert? Na wenigstens macht das einen fertigen Eindruck. Oder doch nicht? Warum schmeisst der wassergekühlte Kühlschrank immer den Hauptschalter im Stromkasten hinaus und setzt die gesamte Stromversorgung der Mole ausser Betrieb? Die Zuleitung hat ein Problem. Offensichtlich ist sie zu schwach abgesichert.

Ein hübscher Ort, fast schon eine Kleinstadt. Zwei Stunden später fällt ein Geschwader mit 15 Segelbooten ein. Aber da sitzt die Crew der "Ambience" schon in einem gemütlichen Schanigarten mit Blick auf die Mole und genießt das Schauspiel. Ein Schauspiel der besonderen Art erleben wir am Abend. Ein junges Mädchen macht eine atemberaubende Gymnastik. Hoch über einem Haufen Gerümpel hängt sie in zwei feuerroten Bändern, die sie vorher auf das Stahlseil, welches die beiden Masten des holländischen Plattbodenschiffes am Topp verbindet, hinaufgezogen hat. Eine artistische Vorführung und das 30 Meter neben unserem Cat. Wo sind die Fotografen? Alles ist Sekunden später digital festgehalten und abgespeichert. So etwas sieht man nicht alle Tage.

Freitag 03. 10. 2008
Heute schieben wir einen Kulturtag ein. Es geht mit dem Autobus nach ITEA und weiter nach DELPHI. Bei spätsommerlichem Wetter wandert die Crew durch die Ausgrabungen und lauscht den interessanten Beiträgen von Niki. Er hat sich sehr gut vorbereitet. Kultur, die alten Griechen, Mythen und Geschichten sind Lieblingsthemen von ihm. Natürlich hat er auch seine Malutensilien dabei und versinkt in der Welt der Mythen und in der Geschichte der alten Griechen. Wir erfuhren auch, wo sich die Stelle des Orakels befunden haben könnte und von den aus dem Boden strömenden Gasen, die das Orakel benötigte, um seine Weisheiten halb ohnmächtig von sich geben zu können. Niki hat uns davor bewahrt, diesen Törn nur als Schiffsreise zu erleben und hat uns Bildung beigebracht. Wenn ich nicht ganz bei der Sache war, so bitte ich um Entschuldigung. Der Capuccino, den ich in ITEA getrunken habe, tat mir nicht gut. Die Milch war sicher nicht in Ordnung. Ich hatte das schon einmal erlebt. Auf Fuerteventura war ich zwei Tage unfähig, etwas Vernünftiges zu unternehmen. Auch wegen eines kaputten Milchproduktes. Gefreut hat mich, dass unsere fußmaroden Freunde diesen Ausflug mitmachten. Man muss ja nicht immer der Erste im Ziel sein.

Samstag 04. 10. 2008
Unser nächstes Ziel ist KORINTH. Wider erwarten können wir am 7. Tag unseres Törns die Segel setzen und erleben Segeln vom Feinsten. Schön, wie der Cat vorwärts stürmt und uns für die vielen vorhergegangenen Motorstunden belohnen will. Ruhig zieht er seine Bahn mit 7 Knoten durch das unruhige Wasser. Ohne Kursänderung liegt plötzlich die Stadt KORINTH vor uns. Ein vor Jahren ausgestiegener Engländer aus Cornwall zeigt uns den einzigen geeigneten Platz am Steg und der Cat liegt gut und sicher in dem kleinen aber sehr seichten Fischerhafen. Im grossen Hafen liegt ein schwarzer Dreimaster mit bunt bemaltem Bug. Es ist die "Rainbow Warrior" von Greenpeace und die Mannschaft verkauft T-Shirts mit dem aufgedruckten Hinweis, dass man besser Kinder auf natürlichem Weg zeugen und nicht klonen soll. Nachdem wir diese Message sorgfältig studiert und als die einzig erstrebenswerte Methode bejaht haben, erkunden wir die hafennahen Teile der Stadt und ziehen uns zum Abendessen auf unser Boot zurück. Wie immer verwöhnt Willi die Crew mit seinen Kochkünsten. Er lässt sich nur ungern von den drei anderen Köchen helfen und gibt ihnen frei.

Ein Blick über die Hafenmauer zeigt, dass sich das Wetter rapide ändern wird. Das Barometer ist gefallen. Die Fallen beginnen mit ihrem Konzert und es schlagen bereits grössere Wellen gegen den nahen Strand. Gischt spritzt hoch und der Windmesser wird ab nun regelmäßig von allen Crewmitgliedern beobachtet. Windspitzen bis 7 Bft im geschützten Hafenbecken.

Sonntag 05. 10. 2008
Draußen kämpfen die wenigen Boote gegen die hohen Wellen. Große Schiffe sieht man kaum. Die Wellen schlagen gegen das Vorwerk der Westeinfahrt des Kanals. Der Kanal selbst wird kaum befahren. Was ist da los? Der Windmesser zeigt im geschützten Hafenbecken permanent 7-8 Bft. und niemand will auslaufen.

Niki, Franz und Willi wollen die Kultur nicht ganz vernachlässigen und fahren mit dem Taxi nach ALT-KORINTH. Da sich auch unser Koch Willi diesem Ausflug angeschlossen hat bangen wir um unser Mittagessen und ersuchen um pünktliche Rückkehr um 11:00Uhr. Walter und ich pilgern in die Stadt und suchen ein Internetcafe. Der Wetterbericht ist nicht so schlecht, aber wir wissen es besser. Der Westwind schiebt das ganze Wasser an das Ostende des Kolpos und hier kann es nicht mehr abfließen. Abwarten und Kaffee trinken. Die Mehlspeisen sind vortrefflich und erinnern stark an unsere heimische Backkunst. Die schöne Cafekonditorei ist sehr gut besucht. Uns beschäftigt aber zu sehr das Wetter und, dass Mirli wegen gesundheitlichen Problemen ihre Teilnahme an der zweiten Etappe absagen wird müssen. Das aber ist eine andere Geschichte und ein Fall für Pantaenius. Wie sich später herausstellen wird, hat hier die Vorsehung eingegriffen.

Montag 06. 10. 2008
Die Zeit drängt. Wir müssen hinaus. Walter nimmt Kontakt mit der Kanalleitstelle auf und sichert sich die Durchfahrt um 8:00 Uhr. Ernstl kämpft sich vor die gesperrte Einfahrt und dreht Runde um Runde. Der Windmesser pendelt zwischen 7 und bereits 9 Bft. Die Gischt fegt über den Cat. Ein Cargoliner, gezogen von einem winzigen Lotsenboot, ist mit Verspätung auf dem Weg nach Westen im Kanal unterwegs. Ein zweiter Cargoliner wird noch vor uns in den Kanal in Richtung Athen gezogen. Die Berufsschifffahrt hat Vorrang. Endlich, nach einer Wartezeit von ca. 90 Minuten, dürfen wir mit "full Speed" in den Kanal einfahren. Die haben uns doch glatt vergessen.

Die schöne Fahrt durch den Kanal bei fast idealen Verhältnissen, beruhigt wieder unsere Nerven. Aufgefallen ist mir der Hund vom Lotsen, den er auf einem schmalen Absatz unter der hohen Sandmauer vorübergehend ausgesetzt hat. Er konnte dem Hund die Sache da draussen nicht antun. Das Frühstück dürfen wir an der Ostmole einnehmen. Die Herren von der Leitstelle haben es uns ausnahmsweise erlaubt. Unter Segel wird die Fahrt nach AIGINA fortgesetzt. Der Hafen der Ziegeninsel ist voll. Trotzdem findet sich ein guter Platz an der Innenseite der Aussenmole. Nikolaus ermuntert die Crew mit ihm den Tempel der Göttin Aphaia und diverse andere Ausgrabungen zu besuchen. Ein Teil der Crew geht mit ihm. Der Rest bleibt in der Nähe.

Eine Armada, bestehend aus mindestens 18 Segelyachten, fällt in den Hafen ein und geht auf die Suche nach Liegeplätzen. Das wird uns noch bis in die Nacht hinein beschäftigen. Slippende Anker, diverse hochgehobene Ankerketten, die klariert werden müssen und unglaubliche Manöver mit Beinahecrashs spielen sich vor unseren Augen und in unserer unmit-telbaren Nachbarschaft ab. Die Sorge um den gut eingegrabenen Anker beschäftigte mich sehr. Auch die Verspannungen mit langen Leinen von jenen Booten, die eigentlich nur irgendwie zwischen und neben unseren Rümpfen mit ihrem Heck oder ihrem Bug andocken wollten. Langsam gehen ihnen die Fender aus und sie versuchen es mit Wegschauen. Ein kurzer Hinweis an den Hafenkapitän klärte die verworrene und hilflose Situation zu unseren Gunsten und sichert uns die verdiente Nachtruhe. An allem ist der Seitenwind schuld, der mit 3 bis 4 Bft in den Hafen hinein bläst. Trotzdem machen wir uns Gedanken. Wie kann man Anfängern so teure Yachten in die Hand geben? Alle Yachten sind voll besetzt und die Mannschaften überfordert. Geld ist eben nicht alles, was man zum Segeln benötigt.

Dienstag 07. 10. 2008
Fast gemütlich geht es unter Motor unserem letzten Ziel entgegen. Ein halbgetauchtes U-Boot mit einem einsamen Kommandanten auf dem Turm, kam uns aus Athen entgegen. Ansonst keine wesentlichen Vorkommnisse. Der Liegeplatz in der Kalamaki Marina in Athen muss erst verhandelt werden, denn die Marina war mit über 1000 Motorbooten und Seglern gerammelt voll.

Am Ende unseres Törns erleben wir noch eine Flugshow und ohrenbetäubendes Röhren der Jets, die sich, knapp über unseren Masten dahinbrausend, den nötigen Anlauf für ihre akrobatischen Kunststücke holten. Sie fliegen so nieder, dass wir das nicht verbrannte Kerosin auf uns herunter rieseln sehen können. Vom schwarzen Ruß will ich gar nichts berichten. Diese Show erleben natürlich nur die wenigen an Bord gebliebenen Spezis, die mit mir beginnen, das Mitgebrachte wieder in den Taschen zu verstauen. Der Rest ist auf der Akropolis unterwegs und sucht die Eulen von Athen.

Mittwoch 08. 10. 2008
Für vier von uns ist der Törn zu Ende. Zur Verabschiedung setzen wir uns mit unseren Freunden in die Skipper Bar und warten auf das Taxi zum Airport. Wünschen ihnen, die auf eine Auffrischung der Crew warten müssen, eine schöne und ruhige Weiterreise nach Rhodos und fliegen über München nach Wien und neuen Aufgaben entgegen. Die Heimat hat uns wieder.

Zusammenfassung:
Es war schön, mit den alten Spezis zu schippern. Wenn wir auch immer an unserem Programm herumbasteln mussten, haben wir doch Einiges erlebt. Nur die Feststellung, dass auch an uns der Zahn der Zeit nagt, blieb uns nicht erspart. Nicht vergessen möchte ich, mich bei der Crew zu bedanken. Bei Walter für seine umsichtige Schiffsführung, bei Ernstl, der das Steuer selten aus der Hand gegeben hat. Und wenn, dann fast nur an den Autopiloten und für Hafenmanöver. Bei den Köchen, bei Willi für seine Reparatureinsätze, bei Niki, der uns immer wieder an die griechische Vergangenheit erinnert hat und unser verlorenes Schulwissen auffrischte, bei Franz, der wieder mit äusserster Sparsamkeit sehr erfolgreich die Bordkassa verwaltete und bei unseren beiden fußmaroden Freunden Ferry und Sedi, die mit eiserner Disziplin an fast allen Ausflügen teilgenommen haben, mit Akribie Fender an der Reling befestigten und Festmacherleinen virtuos an Land warfen.

Klaus D. Prtak