"Kirchberg Törn"

mit der PENTA in SARDINIEN - Bericht von Hubert Schwarzenbacher

Vorbemerkung:
Susi Fröstl hat bei einer gemeinsamen Feier spontan diesen Segeltörn organisiert, der nach einem Telefonat mit mir und einer anschließenden kurzen Beratung sofort fix bestellt wurde.

Crew:
Adele und Willy Aigelsreiter
Rainer Fink
Susi und Helmut Fröstl
Hubert Schwarzenbacher (Skipper)

Freitag, 22. bis Samstag, 23. 6. 2007
Anreise der Crew.

Sonntag, 24. 6. 2007
Aus dem schönen Kirchberg, Kapfenberg und Wien sind wir gemeinsam angekommen und sehen die National-Flagge mit den vier Mohrenköpfen. Es gibt eine Sage zur Entstehung der Flagge! Als die Sarazenen auf Sardinien landeten, wurden vier Mohren gefangen genommen und geköpft. Ihre Köpfe wurden zur Abschreckung am Strand auf Pfähle gesteckt. Warum die Köpfe mit der Binde einmal über den Augen und einmal über der Stirne zu sehen sind, konnte ich nicht eruieren.

Ich schlafe noch auf der Fähre, nachdem wir schon längst im Hafen Olbia angekommen sind. Rainer, die "Nachteule" konnte nicht schlafen, war schon früher aufgestanden, durfte aber dann nicht mehr in den Pullman Raum, um mich zu holen. Alle sind schon weg, als mich die Putzcrew endlich um 8 Uhr aufweckt. Vom Schiff herunten, warten wir unter vielen Leuten auf Willy, der allein zum Auto gegangen ist. Fahrt nach Porto Torres. Unterwegs machen wir bei der Kirche "Trinita di Saccargia" einen Fototermin mit Kaffee- und Pinkelpause. Alle sind von dem schönen Bau im typischen Pisaner Stil begeistert.

Im Hafen von Porto Torres angekommen, bringen Adele und Helmut mit dem Beiboot in zwei Fahrten das "wenige" Gepäck an Bord. Es gibt kaltes Bier, Jause und Kaffee. Ruhepause ist angesagt, einige schnarchen. Unsere "Kaffee-Diplomschwester" Adele braucht noch einen Kaffee, erst dann geht die Crew zum nahen Strand baden. Rainer und ich gehen zu "Tiziana" (meine neue Lieblings Wirtin), um den Tisch für das Nachtmahl zu bestellen. Natürlich bekommen wir einen Krug roten "Cannanau"- Wein vorgesetzt, den wir, wie es sich gehört, natürlich sofort austrinken. Dann machen wir noch einen Besuch bei der "Degustione", um den nächsten Wein zu probieren. Er schmeckt so gut, dass wir gar nicht bemerken, wie der "Dampf" immer größer wird. Aus der PENTA ist, nachdem die "Bader" zurückgekommen sind, wieder einmal ein typisches "Fetzenschiff" geworden, so viele nasse Hand- und Badetücher hängen an der Reling. Um 19:30 Uhr gehen wir dann alle zu Tiziana ins "La podale" Nachtmahl essen. Alles wie gehabt, wir "fressen" uns begeistert durch alle Gänge. Wir lernen dabei auch das typische, sardische Hirtenbrot kennen, "Pane Carasau", es ist hauchdünn und angeblich jahrelang haltbar. Es wird auch als Notenpapier-Brot übersetzt.

Montag, 25. 6. 2007
Rainer erledigt den Einkauf bei Lidl und Sisa, einem Supermarkt, wo ihn Freundlichkeit und Aussehen der Verkäuferin sehr angenehm beein- drucken. Um 10:00 Uhr legen wir ab und laufen aus. Im Hafenbecken haben wir ein kleines Duell mit der Moby Fähre, die zur gleichen Zeit nach Genua ausläuft. Kaum sind wir draußen, setzen wir Segel und stellen den Motor ab. Ein netter Wind und ab geht es in Richtung Castelsardo und von dort weiter nach Isola Rossa. Schönes Segeln, endlich ist wieder einmal das Geräusch des Kielwassers zu hören. Willy steuert, er ist happy. Auch Rainer versucht sich als Steuermann, dreht ein gewolltes Kringel, das er aber, weil der Wind plötzlich vorbei ist, nicht vollenden kann. Also wird die "eiserne Genua" gestartet. Vor der Hafeneinfahrt von Isola Rossa quälen uns langgezogene Querwellen, die Helmut etwas blass um die Nase werden lassen. Zwei Italiener geben uns die Mooring, da sich über Funk niemand meldet (kein Wunder, das Büro ist nicht besetzt). Faulenzen, Huberti´s Eiskaffee und baden. Am Abend essen wir in einer Pizzeria Muscheln, Pizza und Tiramisu Eis usw., usw. In der Nacht weckt mich ein schlagendes Fall (das ist ein Strick, an dem irgendetwas hängt, z. B. das Großsegel oder die Pasarella), also stehe ich zweimal auf, stelle das Geräusch ab und rette schnell noch die auf der Reling wild flatternde Wäsche, denn der gestern angesagte Maestrale beginnt zu blasen.
Tagesweg: 22 Segel- und 2 Motormeilen.

Dienstag, 26. 6. 2007
Es bläst noch immer mit mindestens 4 - 5 Beaufort! Nach einem ausgiebigen Frühstück mit viel Obst laufen wir um 10 Uhr aus. Willy bekommt übers Internet von einem Freund den Wetterbericht, der für Olbia 70 (?) Knoten Wind in den Böen voraussagt. Der Wetterbericht im Hafenbüro zeigt für unser Gebiet 28 - 44 Knoten Wind. (7 - 9 Bft.) Wir entschließen uns deshalb, nicht nach Bonifacio, sondern wieder zurück zu fahren. Also ab in Richtung Castelsardo. Hohe Wellen (mare molto mosso 3 - 4) empfangen uns gleich nach der Hafenausfahrt. Willy steuert. Die Mädels kreischen, wenn wir ein Wellental hinunter stürzen. Willy schreit jedes Mal "Achtung Welle, alles anhalten". Ganz schön laut geht es dabei zu, der Wind heult, Willy schreit, die Mädels auch, nur Helmut sitzt entspannt (?) im Mastkorb, die hohen Wellen scheinen ihm nichts aus zu machen. Irgendwann wird es seinem bereits mit "Stutgeron" gedopten Magen zuviel, kreidebleich kommt er auf allen Vieren zurück gekrochen, wo er sofort ins WC stürzen will, doch er bekommt die Tür nicht gleich auf. Endlich offen, gibt er unter lautem Schreien alles von sich, wobei er nicht ganz treffsicher ist. Susi putzt und kommt anschließend auch etwas blass wieder zu uns in die Plicht zurück. Das nennt man Liebe! Auch ich leiste einmal kurz Erste Hilfe, nachdem ich Helmut, der halbtot im Salon liegt, nur noch "Susi, Kübel" stöhnen höre. Nach zweieinhalb Stunden wildem Ritt über die hohen Wellen, mit weiteren lauten "Kübelfüllungen" sind wir endlich in Castelsardo angekommen. Wen hat denn Helmut immer gerufen? Es klang wie "Uuuulriiich", den muss er von früher kennen, denn der steht ja nicht auf der Crewliste. Vor der engen Einfahrt in die Marina schütteln uns noch zwei hohe Wellen ordentlich durch, doch kaum in der Marina angelangt, sind die Wellen schlagartig zu Ende. Wieder einmal bekomme ich am Funk (Kanal 9) keine Antwort, da wie üblich, das Büro nicht besetzt ist. Ein deutscher Skipper gibt uns die Mooring.
Jausenzeit ist angesagt, auch Helmut lebt überraschend schnell wieder auf, nachdem er Essen riecht. "Nie wieder Schifferl fahren, es gibt eben doch Menschen die nicht für die Schifffahrt geboren sind, einer davon bin ganz sicher ich" meint er traurig. Um 19 Uhr fahren wir mit dem Bus in die Stadt, spazieren durch die Altstadt, kaufen Obst und Gemüse und gehen anschließend Nachtmahl essen. Es gibt fantastischen, guten (und billigen) Fisch, dazu nach altem Heizöl stinkende Pommes frites, Pizza und Muscheln. Weiß- und Rotwein, Bier und Wasser ergänzen unser Essen. Ein Taxi bringt uns zurück zur PENTA. In der Nacht wird der Wind stärker, doch wir hängen gut und sicher an unserer Mooring.
Also schlaft´s ruhig und gute Nacht!
Schaukelt das Schiff, oder sind es nur die kleinen Wellen? - Bevor ich es ausmachen kann, bin ich schon eingeschlafen ...
Tagesweg: 10 Motormeilen.

Mittwoch, 27. 6. 2007
Frühstück mit von Rainer in Eilmärschen frisch geholtem Brot. Susi und Willy haben Backschaft.
Wir beschließen, wegen der hohen Wellen nicht auszulaufen und verbringen einen herrlichen Tag mit "Seele baumeln lassen" im ruhigen und sicheren Hafen. Willy erklärt mir viel auf meinem neuen Laptop. Ein Spazier-gang an der Hafenmauer zeigt uns, dass es draußen ganz schön rund geht. Es ist ein herrlicher Anblick, wenn die hohen Wellen gegen die Kaimauer prallen. Wir machen viele Fotos von der starken Brandung. Am Steg findet ein Kaffeekränzchen statt, es ist richtig gemütlich. Als Bordlektüre kreist mein Buch "Flaschenpost ... oder gibt es Sex an Bord" in der Runde. Der restliche Tag vergeht mit süßem Nichtstun, dem typischen italienischen "dolce far niente". Zum Nachtmahl kocht Chefkoch Helmut unter "unnötigen" Seitenbemerkungen von Susi und Rainer Spaghetti mit Thunfisch. Sie schmecken trotz Einmischung der Besserwisser allen bestens. Die Pausen während der Böen werden länger! Ist gut so, denn morgen wollen wir nach Stintino.

Donnerstag, 28. 6. 2007
Der starke Wind ist einem leichten Säuseln gewichen, heute muss es weiter gehen. Recht spät werden die Dusche und das WC geöffnet, bis wir endlich unsere Patina und sonst einiges weg bringen. Helmut und Rainer besorgen den Einkauf. Frühstück und dann Leinen los, wir laufen aus. Helmut und Rainer wollten mit dem Bus nach Porto Torres fahren, aber es gelingt mir, Helmut zu überzeugen, dass wir kurz auslaufen und, wenn ihm der Seegang zu hoch ist, wieder zurück kommen werden, damit dann beide doch noch aussteigen können. Aber kaum sind wir von der Einfahrt einige 100 Meter weg, beruhigen sich die Wellen einigermaßen. Helmut hat das Steuer übernommen und fühlt sich zum Glück wohlauf. Das ist gut für uns alle, denn wir wollen heute noch nicht nach Porto Torres, sondern 9 Meilen nordöstlich weiter nach Stintino, einem kleinen Ort mit schöner Marina. Unterwegs trinken wir eine Flasche Roten aus Kalifornien und jausnen kräftig dazu. Was trinkt unsere Kaffee-schwester Adele? Na was schon, Kaffee, und Susi brät in der Sonne. Kurz vor 15 Uhr läuft ein Boot der Guardia Finanza auf uns zu, wir stoppen, werden befragt ob wir Österreicher und wie viele wir sind und somit ist die Kontrolle der freundlichen Beamten auch schon wieder vorbei. Unser "Franz", der Autopilot, versieht bestens seinen Dienst, wir genießen das Leben. Mit Willy mache ich einen kurzen Navigations-Test, sein gekoppelter Standort ist nur eine dreiviertel Seemeile im Vergleich mit dem GPS falsch. Also, Prüfung bestens bestanden. Jetzt freuen wir uns schon auf Stintino, wo wir hoffen, einen Liegeplatz für die Nacht zu bekommen. Diesmal ohne Funk, wir werden von zwei sehr freundlichen Burschen eingewiesen und gehen an Mooring- und Landleinen an den Steg. Susi kocht die bereits für das Frühstück versprochenen Palatschinken. Mit echter D'arbo Marillenmarmelade, Kiwis und kalter Milch ein wahrer Hochgenuss. Ein Stamperl Apfelschnaps abschließend lässt den Magen jubeln und unsere Augen glänzen. Auch die von Helmut.

Badezeit, schlafen und computern ist angesagt. Der Ort Stintino mit zwei tiefen Buchten und jeder Menge Jachten und Fischerboote zeigt sich von der schönsten Seite. Am Abend essen wir bei "Gustioni" gemischte Meeresfrüchte, Muscheln, Salat mit Käse, trinken guten Rot- und Weißwein. Anschließend auf einer Terrasse mit Meerblick genießen wir bei Musik einige White Ladys, Pastis, Cuba Libre und Ähnliches. Recht spät kommen wir wieder zur PENTA zurück, probieren noch einige Apfelschnapserl, essen Melone mit Schinken und fallen irgendwann spät nachts um 1 Uhr 30 grinsend und leicht beschwingt in unsere Kojen.
Tagesweg: 22 Motormeilen.

Freitag, 29. 6. 2007
Nach ruhiger Nacht sausen die Einkäufer los und kommen bald mit frischen Herrlichkeiten zurück. Heute haben Helmut und ich Backschaft. Wir wollten zwar ein Selbstbedienungs-Buffet kreieren, aber alle waren dagegen. Fressbanausen! Nach dem Frühstück legen wir ab, tanken noch voll und laufen aus. Obwohl der Wind recht schwach ist, setzen wir die Genua, die uns in 2 Stunden nur richtig schaurige 3 Meilen weit mit unglaublicher Geschwindigkeit nach vorne unserem Ziel entgegen "reißt". Dann starten wir die "Eiserne" und motoren in Richtung Porto Torres. Susi und Adele werden ins Beiboot ausgesetzt und lassen sich nachschleppen. Niemand der verheirateten Männer traut sich, den Strick abzuschneiden, woran das Dingi hängt. Ich aber auch nicht, denn wer weiß, ob etwas Besseres nachkommt. Die besonders mutigen Herren hängen am Seil und lassen sich durchs Wasser ziehen. In Porto Torres angekommen, will Willy, unser Steuermann, in den Fährhafen einlaufen und nimmt erst dann den richtigen Kurs auf, nachdem ich ihn fragend anschaue. Er sagt zu sich selbst "was i heit zsammfohr, net zan glauben". Problemlos gelingt ihm wenig später ein schönes Anlegemanöver, das allerdings durch zwei stark verknotete Mooringleinen ein wenig länger dauert als üblich.

Wir sind wieder da, die Woche ist rasend schnell vergangen. Nichts ist passiert, keine Schäden am Schiff, an der Crew, oder an irgendwelchen Gegnern, d. h. alles ist o. k. Jeder spricht noch mit jedem, auch die Ehepaare sind sich bestens einig, man hat das Gefühl, das Messer von vorhin wird wirklich nicht gebraucht. Bussi Bussi! Noch schnell den Witz mit der Kopfverletzung ... nix is bliebn, bliebn, bliebn.
Helmut kocht "Abschieds-Spaghetti" mit Tomaten, Käse, Oliven und Speck. Dazu gibt es eine Flasche gelben Muskateller für die Offiziere und Bier für das gemeine Volk. Die große 3- Literflasche ist leider schon lange entsorgt worden.
Während ich das schreibe, horcht die Crew teils schnarchend am Polster und genießt die restlichen Urlaubsstunden. Huberti´s Eiskaffee macht anschließend die Runde. Natürlich wird noch "rein Schiff" gemacht (wie beim Weihnachts-Putz). Am Abend gehen wir in die Stadt, leider ohne Vorbestellung, natürlich sind alle Außen-Sitzplätze in den Restaurants schon besetzt, so dass wir im "italienisch überlauten" Gardibaldi-Lokal an der Piazza im heißen Lokal sitzen müssen. Die Aigelsreiter´s und Rainer wollen Fisch essen, sonst würden wir flüchten. Susi und Helmut sind noch auf Einkaufstour. Schwer bepackt kommen sie zurück, scheinbar haben sie für die Zu-Hause-Gebliebenen endlich alles Gewünschte bekommen. Susi bestellt ihr Lieblingsessen, Miesmuscheln Marinara. Helmut will wegen der im Lokal herrschenden Lautstärke nichts essen, "frisst" aber dann seiner Herzallerliebsten doch mehr als die Hälfte ihrer Portion weg. Die Küche ist bestens, die Fische mit 1,20 Kilo sind gut und preiswert. Ich esse wieder einmal mit Begeisterung "Escalopi di limone" (Zitronenschnitzel).
Bevor wir im Lokal ankamen, hörten wir noch kurz dem Gesang einer Chinesischen Truppe zu, welche für die kommende Olympiade in China Reklame macht. Der Gesang war fürchterlich laut und überzogen quakend, wir verlassen die Stätte der Kunst im Eilschritt. Nach dem Essen sitzen wir gemütlich in einem Straßenlokal, aber nur so lange, bis eine überlaute Karaoke Schau beginnt, die uns sofort flüchten lässt. Die "Familien" gehen zum Schiff, Rainer, der "höflichste unter den Höflichen" und ich ziehen noch eine Runde und trinken dabei einige Campari, bevor auch wir nach Hause gehen. Der zugesperrte Eingang zur Marina wird klet-ternd überwunden. Gut, dass wir nicht allzu sehr besoffen sind. Die Chinesen plärren immer noch, laut Auskunft von Helmut sogar bis drei Uhr früh (warum schläft der nicht?).
Tagesweg: 3 Segel- und 7 Motormeilen.

Sardinien

Gesamtweg: 25 Segel- und 41 Motormeilen, d. s. 66 Seemeilen.

Samstag, 30. 6. 2007
Schon um 5:45 Uhr läutet Rainers Wecker, der Abreisetag hat begonnen. Noch ein Frühstück und die Crew fährt ab und lässt mich laut weinend zurück. Vorsichtshalber habe ich noch fotografiert, damit ich sehen kann, ob wirklich alle weg sind!

Es war schön mit euch, ich danke, für eine Woche eingeladen gewesen zu sein bei neuen Freunden, netten Verwandten und hoffe, wir sehen uns bald wieder auf der PENTA.

Ich freue mich schon heute, wenn es wieder heißen wird: "Skipper, dürfen wir bitte an Bord kommen" und ich antworten kann: "Erlaubnis erteilt!"

Ahoi
Hubert Schwarzenbacher