Windjammer Khersones

als Begleitschiff beim Ecker-Cup 2003, der Regatta für Fahrtensegler

Khersones

Auf der Suche nach Regattateilnehmern zum 1000-Meilen-Race von Ecker Yachting traf ich Klaus Prtak, einen Clubkollegen, um ihn als Crewmitglied anzuwerben. Klaus lehnte dankend ab, da er schon auf der Khersones, dem Begleitschiff der Regatta, für die 1000 Meilen Zadar - Prevesa - Orhaniye angemeldet war. Er bot mir eine Gegeneinladung zu einem Vereinsabend des Yachtsman Austria, bei dem er ebenfalls Mitglied ist, an. Nur aus Neugierde sagte ich zu. Der Kommodore des Vereins, Jo Neklapil, brauchte nicht allzu viel dazutun, um auch mich für die Teilnahme zu motivieren.

Zu Hause habe ich mir über Internet die Schiffsbeschreibung herausgesucht und war sofort über das schöne 3-Mast-Vollschiff "STS Khersones" begeistert. Schiffslänge 108 m, Breite 14 m, Masthöhe 49,5 m, Segelfläche 2770 m2, Speed unter Segel bis zu 18 Knoten, 2 Dieselmotoren à 500 PS. 70 Kadetten, 40 Mann Besatzung und bis zu 90 Gäste oder Trainees. Gebaut wurde das Schiff 1998 in der Lenin Werft in Danzig. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurde das Schiff in die ukrainische Marina Kerch überstellt, mit Gästekabinen bestückt und zur Verbesserung der Finanzen an ein deutsches Unternehmen angeschlossen, um zahlenden Gästen oder Seglern Wunschträume zu erfüllen.

Für mich stand fest, teilzunehmen, jedoch aus Kostengründen nur an der 2. Teilstrecke Prevesa - Orhaniye. Als Mensch, der Gesellschaft und Begleitung aus gewohnter Umgebung bevorzugt, musste ich noch Mitsegler dazu begeistern, was für mich nicht schwer war. Erwin Nigl und Kurt Müller, der Alligatorkurti, nahmen ebenfalls die Einladung an. Und so war unsere 4er Kabine mit Klaus Prtak, Erwin Nigl, Alligatorkurti und Hravatzki-Franze - das bin ich - komplett.

Samstag, den 25. Oktober 2003, um 6:15 Uhr sollten wir von Salzburg nach Prevesa abfliegen. Donnerstag, den 23. Oktober, lag Schnee in Rust, daher fuhren wir nicht mit dem Auto, sondern Freitag, den 24. Oktober, von Wien mit der Bahn nach Salzburg. Hier lernten wir 3 weitere Segler vom Yachtsman Austria kennen: Gottfried Zilbauer, Klaus Schmidl und Karl Bartl. Karl Bartl bekam sofort auf Grund seiner Körpergröße den Spitznamen Bürgermeister von Minimundus. Da Alligatorkurti diesen Namen prägte, wurde er zum Vizebürgermeister ernannt. Um ca. 2:45 Uhr kamen wir in Salzburg an und mieteten einen Kleinbus, der uns zum Flughafen brachte. Die Zeit zwischen 3 und 6 Uhr früh verbrachten wir in der Flughafenhalle. Beim Kaffeeautomat kam nur eine dunkle Brühe heraus, was unsere Stimmung nicht besonders hob. Die Kantine sperrte laut Zettel an der Tür erst um 5:30 Uhr auf. Zur Verwunderung sahen wir aber Gäste im Lokal frühstücken. Spät aber doch fiel dann bei uns der Groschen - oder Cent -, denn nach dem Einchecken hätten wir durch die Sperre gehen können und auch den Zettel an der Innentüre gesehen, worauf stand: Frühstück ab 4 Uhr früh. Na ja, so ist es eben, wenn Weana nach Salzburg kommen. Noch kurz ein kleines Telefonat - wozu hat man ein Handy - und pünktlich um 6:50 Uhr hoben wir ab.

von nach Orhaniye

In Prevesa angekommen, waren wir von der Temperatur überrascht, in Salzburg um die Minus und hier 17 Grad plus. Sofort den Unterpullover ausziehen, ein kurzes Telefonat und auf in den wartenden Bus. Erwin bestimmte mit dem Kompass noch die Windrichtung. Wir konnten es nicht glauben, dass ein Maestrale NW Wind wehte. Diese Windrichtung würde zum Segeln mit einem Rahsegler toll sein!

Im Hafen von Prevesa wartete die Khersones schon auf uns. Ein tolles Schiff, aber warum wurde das Schiff backbords mit Farbe ausgebessert? Nach der Kabineneinteilung erzählten uns die Crewteilnehmer Kommodore Jo Neklapil, Maria und Peter Lorenz und Erich Wunsch, welche schon während der ersten Etappe Zadar - Prevesa dabei waren, dass ein Lotsenboot beim Anlegen die Kher-sones gerammt hatte. Der ukrainische Kapitän Sukhina musste von seiner Besatzung zurückgehalten werden, um nicht auf das Lotsenboot zu springen und dem Lotsenkapitän seine ... Meinung zu sagen.

Wir kamen gerade zur Etappenfeier zurecht. Leberkäse, Bier und Wein waren frei, und auch eine 3-Mann Musikband stellte Kurt Ecker zur Verfügung. Wir besichtigten noch die Ecker Flotte mit 76 Booten, welche bereits die erste Etappe erfolgreich beendet hatte.

Die große Überraschung war natürlich das Eintreffen von Auflaufkurti (Kurt Svoboda), der im August noch nicht wusste, ob er in Pension gehen sollte. Frau Ministerin Gehrer hat ihm dies dankenswerterweise ermöglicht. Anfang Oktober wurde ein Platz auf der Khersones frei, aber wir haben dies den anderen Crewmitgliedern verheimlicht. Die einhellige Meinung meiner Crewkollegen dazu war wie immer fast im Chor: Typisch Pabisch bzw. Hravatzky-Franze.

Regattastart

Allerdings musste Auflaufkurti einen kleinen Umweg machen. Er flog von Wien nach Athen und dann mit einem kleinen 2-motorigen Flugzeug von Athen nach Prevesa. Kurti's Kabine war eine Mannschaftskabine, gemeinsam mit dem ukrainischen Segelmacher. Als dieser erfuhr, er soll die Kabine mit jemandem teilen, ist er kurzum ausgezogen. Daher hatte Auflaufkurti eine Kabine allein. Er bekam aber von der deutschen Verbindungsoffizierin den Auftrag, das Licht bei den Blumen nicht abzuschalten und die Blumen jeden 2. Tag zu gießen.

Abends lud der Bürgermeister von Prevesa zu einem Fest mit griechischer Musik und Folkloretanz ein, anschließend spielte die Eckerband bis 5 Uhr früh. Nur der Segelmacher Hans (gelernter Herrenschneider) hat 2 Tage bis spät in die Nacht zerrissene Segel mit einer Segelfläche bis zu 100 m2 genäht, dadurch hatte er keine Zeit zum Feiern. Er ist 71 Jahre alt, war alle 10 Jahre beim Ecker Cup dabei und möchte bis zu seinem 80sten Geburtstag mitmachen.

Am Sonntag um 10 Uhr nach der Crewbesprechung war der Start zur zweiten Etappe der Regatta in der Bucht vor Prevesa angesagt. 2 Segler sind bereits ausgeschieden, aber 74 sind für die 2. Etappe bereit. Bobby Schenk, der jede Ecker Regatta als Kommentator begleitet, kommt vorm Ablegen an Bord. Die Khersones legt von Prevesa ab, um in der Bucht vor Anker zu gehen und den Start der 2. Etappe einzuleiten. Nach einem Fehlstart mit einem allgemeinen Rückruf ist die Regatta gestartet. Die Schiffe verschwinden langsam am Horizont.

Segelsetzen Rigg Vollzeug

Der Anker wird gelichtet und die Segel werden gesetzt. 2770 m2 Segel ohne Winschen, ohne Klemmen, nur durch die Muskelkraft der Kadetten, die ihre praktische Ausbildung auf diesem Schiff erhalten. Alle sind angehende Techniker, welche die Marinaschule in Kerch (Schwarzes Meer) besuchen und nach ihrer Ausbildung in der Berufsschifffahrt tätig werden.

Der Maestrale bläst kräftig. Auf einem Vollschiff 14 Knoten mit achterlichem Wind zu segeln, erfüllt meine Erwartungen voll. Gegen Abend lässt der Wind nach, die Regattaschiffe sind bereits überholt, es beginnt etwas zu regnen. Jetzt findet eine Führung durch das Schiff statt. Offiziersmesse, Speisesaal, Segelmacherei, Schiffs-brücke, etc... Auch die Sicherheitsvorschriften müssen besprochen werden. Anschließend gibt's auch im Speisesaal oder an Deck ein kleines Tratscherl. Die Matrosen haben immer was zu tun, z. B. werden alte Leinen zerlegt, um Fußmatten zu knüpfen, Schiff geschruppt, gestrichen, etc...

Der Wind legt weiter zu, Segel werden gerefft, trotzdem kommen 3 Segel mit lautem Stöhnen herunter und werden von den Kadetten geborgen. Wir erlebten alle Winde, die um diese Jahreszeiten in der Adria und Ägäis üblich sind, bei Sturm bis 9 Bft. segeln wir durch die griechische Inselwelt. Sonnenbaden auf dem Sonnendeck, Deckverbot für Trainees und Mannschaften wegen zu großem Risiko. Dem Schiff war dies egal. Es zog seinen Kurs mit rauschender Bugwelle und überkommendem Wasser gegen Osten dem Regattaziel entgegen.

in Orhanye

Am Dienstagabend, dem 28. Oktober, waren wir bereits querab von der letzten griechischen Insel Symi. Mittwoch, am 29. Oktober, um 9:00 Uhr früh, führte uns das türkische Lotsenboot in die Keci Bükü (Orhaniye), wo die Khersones anlegte und das Lotsenboot hatte nur die Aufgabe, die Khersones mit einer achterlichen Heckleine wegen des auflandigen Windes zu bremsen. Kapitän Sukhina meint lakonisch: "Die sollen ja nicht zu nahe kommen."

In der Marina Marti wurde sofort ein Manöverschluck angesagt! Somit war das Segeln vorbei und wir hatten noch 3 Tage Zeit, da erst Samstag am Abend das große Abschlussfest mit der Siegerehrung stattfand. Wir entschlossen uns, die Zeit zu nützen und Donnerstag, den 30. Oktober, Ephesus zu besichtigen. Trotz Regen war auch dies ein unvergessliches Erlebnis. Freitag wollten wir nicht wieder eine so lange Fahrzeit haben und besuchten einen Wasserfall bei einer schönen, kleinen Bucht ganz in der Nähe. Hier konnten wir sehr guten Fisch verspeisen. Für 7 Personen 4 Fische, 3 Flaschen sehr guten türkischen Weißwein, 7 Krügel Bier, Mehlspeise und türkischen Kaffee für gesamt 213 Euro fanden wir durchaus preiswert. Zum Abschluss wurde uns noch gratis Raki serviert. Samstag am Vormittag fuhren wir nach Marmaris: Stadtrundgang, Marina, Zitadelle, etc... Nach dem Mittagessen in der Zitatelle machten wir uns auf den Rückweg in die Keci Bükü (Orhaniye), um uns auf die Abschlussfeier vorzubereiten.

in der Marina Marti

Bobby Schenk, uns allen als Weltumsegler und Buchautor bekannt, machte bei der Pokalübergabe den Österreichern ein großartiges Geschenk. Er würdigte die Leistung der Regattateilnehmer bei dieser bisher härtesten Ecker-Regatta mit begeisterten und äußerst lobenswerten Worten. Er freute sich besonders über das außerordentliche Niveau der seglerischen Leistungen und der Seemannschaft von uns Alpenseglern. Er meinte, das schon immer gewusst, und bei dieser Regatta die Bestätigung dafür erhalten zu haben. Seinen Worten "diese Regatta war die Europameisterschaft der Fahrtensegler" folgte donnernder Applaus. Auch Kapitän Sukhina, der noch vor dem Sturm meinte: "For the racers it is shit ..." zollten den Seglern volle Hochachtung. Beim Abspielen der Nationalhymne kamen so manchem die Tränen. Dann war das Buffet eröffnet. Wie gut es allen geschmeckt hat, kann man aus der Menge der verzehrten Speisen und Getränke entnehmen. Hier hat sich Kurt Ecker, der Veranstalter und Vater der Regatta, von seiner großzügigsten Seite gezeigt. Abschließend kann man nur jedem Regattateilnehmer Hochachtung zollen, und uns bleibt die Erinnerung an diese großartige Segelveranstaltung, an die Tage an Bord der Khersones sowie an die Besichtigungen und Ausflüge in der Türkei.

Vielleicht gibt es eine Wiederholung in 2 Jahren?

Franz Pabisch