Ein Skipper auf hoher See ...

Reisebericht 2012 von Traude und Christian Wimmer

Auch im Jahr 2012 hatten wir wieder einen tollen Segeltörn geplant.

Nach einem Flug Wien-London-Kapstadt-Windhuk und einer Autofahrt von ein paar 100 Kilometern gingen wir - über 7.750 km von Wien entfernt - an Bord unserer "Silversand". Davor besuchten wir noch schnell das Kap der guten Hoffnung. Da muss ja jeder Seemann einmal vorbeifahren (wir sind aber nur mit dem Auto vorbeigefahren).

Die "Silversand" ist ein 60’ Katamaran, stationiert in der Walvis Bay in Namibia.

Das Wetter, nebelig, kalt mit 8° und windstill, spielte nicht so ganz mit. Dafür war das Meer durch den kalten Benguelastrom nur 13° warm und glatt, sodass wir in der Lagune der Walvis Bay auch tatsächlich darauf hoffen konnten, Robben, Delphine, die seltenen Lederschildkröten, Mondfische sowie Buckel- und Glattwale - noch dazu gerade im August, der Hochsaison für Wale, zu sehen.

Leider konnten wir uns unsere Mitsegler diesmal nicht aussuchen und so hat der erste Mitsegler, ein Seelöwe, bereits den besten Platz eingenommen.

Der Seelöwe blieb brav in unserer Mitte auf einer Bank sitzen und die anfängliche Scheu von uns Gästen ist schnell einer begeisterten Aufregung gewichen, als alle merkten, dass von dem über 200 Kilogramm schweren Tier keinerlei Gefahr ausgeht. Er ließ sich sogar gefallen, von den Passagieren gestreichelt und getätschelt zu werden. Es ist sehr interessant, so ein Tier mal ganz aus der Nähe zu betrachten. Das nasse Fell ist dicht und fest und im Untergrund ganz trocken, an den Flossen befinden sich Krallen, mit denen sich die Robbe wahrscheinlich herrlich am Fell kratzen kann. Mit ein paar Fischen gelang es unseren Smutje ihn von Bord zu locken und so den Platz für uns freizumachen - wir wollten immerhin ja auch was sehen! Sobald wir abgelegt hatten kam schon der nächste Seelöwe. Er kletterte am Heck über die Badeplattform herauf, robbte das ganze Schiff entlang bis an den Bug, und nachdem er ein paar Fische bekommen hat, sprang er einfach wieder zurück ins Wasser.

Kaum hatten wir die Seelöwen durchgefüttert kamen die nächsten Gäste angeflogen. Pelikane landeten direkt auf dem Bugkorb und rissen den Schnabel weit auf, um von unserem Smutje einen Fisch zu bekommen. Andere Pelikane, für die kein Platz auf der Reling war, fingen den Fisch mit ihrem großen Schnabel im Flug. Zusätzlich landete dazwischen auch noch ein Kormoran. Nachdem er zwei Fische, die fast so groß wie er selbst waren, verdrückte flog er wieder weg. Während wir dieses Schauspiel neugierig beobachteten, sind wir auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht am Pelican Point, angekommen.

In der Nähe des Leuchtturms von Pelican Point befindet sich auch eine ausgedehnte Robbenkolonie mit tausenden von Tieren. Im Wasser wimmelte es von schwarzen, verspielten Tieren. Junge Robben jagten einander und tummelten sich fröhlich im Wasser.

Danach skipperten wir an Austernfarmen - sogenannten "Aqua Parks" - vorbei, die am Rand der Lagune liegen. Hier wachsen die weltweit begehrten Schalentiere doppelt so schnell wie anderswo auf der Welt, denn das flache Wasser ist aufgrund des Benguela-Stroms vor der namibischen Küste besonders reich an Nährstoffen. Ihr Fleisch ist etwas fester als bei anderen Austern und es schmeckt herrlich nach Meer und Salz. Natürlich gibt es während der Fahrt davon eine Kostprobe. Dann legte der Skipper noch ein wenig an Geschwindigkeit zu, um die Delfine anzulocken. Diese surfen gerne in den Bugwellen der Boote. Lange schauten wir in die Wellen, um einen Schatten zu entdecken. Plötzlich tauchte eine kleine Gruppe Benguela-Delfine auf und begleitete unser Boot eine Weile. Blitzschnell tauchten sie ab und man konnte nie die Stelle erraten, an der sie sich für das nächste Foto wieder blicken lassen würden.

Bei der Rückfahrt wurde ein köstliches Austernbuffet angerichtet. Ausgiebig konnten wir uns durch Austern pur, nur mit Zitrone oder mit Käse überbacken, ... durchkosten. Und dazu wurde Champagner gereicht. Und wie viel darf man von den Dingern essen? Da Traude sich bei der Verkostung sehr zurückhält, musste ich umso mehr Austern in allen Varianten essen. Und welche Auswirkungen viele Austern (à la Casanova) haben erzähle ich euch besser persönlich ;-).

Plötzlich kommt eine leichte Brise auf und die Sonne kämpft sich durch den Hochnebel - können wir endlich Segel setzen? Die Walvis Bay zeigt sich von der schönsten Seite! Jedoch …, der Wind kam nicht und auch die Wale haben wir nicht gesehen, schade!

Trotzdem war es für uns (Traude und Christian) ein wunderschönes Erlebnis und wieder ein einmaliger und gelungener "Segeltörn".