G'Day Mate

Australien - Reisebericht von Gerhard Ettlnger

"G'Day Mate" ist der freundliche Gruß des Australiers, der auch das Herz des Fremden öffnet. Ein Mate ist ein Kumpel und Freund. Zu einem Mate kann man offen reden und erhält eine ehrliche Antwort. "Fair dinkum" ist seine Philosophie. Ein Mate ist kein Snob. Und er mag Bier.

Bereits im vorigen Jahr entstand der Plan, in einer Rundreise den fünften Kontinent, zu bereisen. Mein Freund, Dr. Werner Hackl, erklärte sich bereit, mitzumachen. Wir beide hatten die Absicht, als pensionierte "ÖBBler" auch ein Stück mit den Australien Railways zurückzulegen. Vor allem wollten wir die australische Segelszene kennen lernen, das heißt, ein bißchen hinein schnuppern. Die Australier sind eine sportnarrische Nation. Auch das Glücksspiel und das Wetten sind nach wie vor ein Nationalsport. In kaum einem anderen Land wird das nationale Sportgeschehen mit soviel Begeisterung verfolgt wie in Down Under. Segeln ist eine sehr populäre Sportart. Hunderttausende Australier gehen mit ihren Booten am Wochenende oder nach der Arbeit aufs Wasser, in Anbetracht der unendlich langen Küsten und der guten Winde kein Wunder. Die australischen Segelreviere sind hier in Europa viel zu wenig bekannt. Wir wollten uns einige Segelreviere ansehen, mit Seglern Kontakte auf Clubebene aufbauen, und damit ganz einfach mit den Menschen freundschaftliche Beziehungen knüpfen. Dieser Bericht soll nur die wichtigsten Erlebnisse schildern. Eine detaillierte Reiseerzählung würde den Rahmen dieser Ausgabe sprengen.

So saßen wir beide beisammen und erstellten unsere Tour, die einerseits soviel Reiseziele wie möglich beinhalten sollte, andererseits in rund sechs Wochen zu absolvieren war. Klar war von Anfang an, daß wir beide mit Mietwagen fahren und grundsätzlich keine Hotels buchen wollten. Das ist wesentlich billiger (obwohl beide Autos Diesel in gewaltigen Mengen schlürften). Weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit unterwegs. Werner übernahm das Kochen, ich das Abwaschen. Eingekauft wurde im Supermarkt.

Ich selbst war bereits von 1961 bis 1968 in Australien und reiste damals einmal um den Kontinent und ins rote Zentrum. Für mich war dies im Jahr 2000 vor allem eine sehr aufregende Reise in meine Vergangenheit und eine Nostalgiefahrt, bei der ich viele Erinnerungen auffrischen konnte sowie Veränderungen und Entwicklungen von Land und Leuten zur Kenntnis nahm. Schließlich waren knapp 40 Jahre vergangen.

In mehr als 6 Wochen 8 Tausend Kilometer herunter zu spulen, klingt vielleicht überheblich. Aber es geschah so. Ich konnte Werner viele Dinge über Australien erklären. Jedoch eines konnte ich nicht: Das Gefühl der unendlichen Weite Australiens muß jedermann selbst kennen lernen. Die enormen Entfernungen im Outback, gepaart mit der Öde einer in den Horizont schnurgerade hinein ragenden Landstraße, der eintönige Blick links und rechts in das flache Land mit Busch, Busch, soweit das Auge reicht. Umgesetzt auf österreichische Verhältnisse wäre ein Teilabschnitt die Strecke von Wien nach Salzburg mit drei Kurven und zwei Ortschaften - sonst nichts, oh ja, etwas Gegenverkehr. Dafür hat es der städtische Verkehr in sich. Die Hauptverkehrs-mittel in Australien sind Flugzeug und Auto. Die Bahn fristet leider ein oft unverdientes Schattendasein, ausgenommen berühmte Züge wie die Kurandabahn, der alte Ghan, der Overlander usw. ...

Wir einigten uns auf folgende Tour: Abflug von Wien nach London, dann weiter mit Qantas über Singapur nach Sydney, dort zwei Übernachtungen. Weiterflug nach Alice Springs. Übernahme eines 4WD Outback Camper-vans (Toyota Landcruiser). 17 Tage Fahrt via Coober Pedy, Ayers Rock, Kings Canyon, Devil´s Marbles, Kakadu Nationalpark, Litchfield Nationalpark. Rückgabe des Campers in Darwin. Inlandflug mit Qantas nach Cairns. Übernahme eines Hi Top Campers (Ford, ohne 4WD) in Cairns. 15 Tage Fahrt via Port Douglas, Townsville, Whitsunday Islands, Rockhamton, Brisbane. Weiterfahrt mit der Eisenbahn nach Sydney. Rückflug mit Qantas über Singapur und Frankfurt nach Wien. Abflug von Wien am 18. Juli 2000, Ankunft in Wien am 27. August 2000. Das gesamte Paket wurde in Österreich gebucht. Der Tarif für die Miete der beiden Autos reduzierte sich damit auf die Hälfte.

So laßt uns die Reise beginnen. Der Flug von Wien nach London war kein Problem. Den Zwischenaufenthalt in London nutzten wir für einen Stadtbummel und Besichtigung der Sehenswürdigkeiten. Vor der Westminster Abtei winkte uns Prinz Charles zu. Da wir in der Menge standen, wird sein Winken wohl dieser mehr gegolten haben als uns. Wir winkten höflich zurück. Spät abends hob der Jumbo von Heathrow ab. Insgesamt 22 Stunden Flug bis Sydney, 11 Stunden bis Singapur, lagen vor uns. Bilderbuchlandung in Sydney. Der Hintern tat uns vom langen Flug und von den verschiedenen Sitzstellungen weh. Die zwei Tage in Sydney nutzten wir zum Akklimatisieren (das tat uns gut) und zur Besichtigung von City, Zoo und Hafen. Sydney bereitete sich intensiv auf die Olympischen Spiele vor. Die Stadt war eine Baustelle und litt unter dem täglichen Verkehrschaos. Vor dem Abflug nach Alice Springs mußten wir aufgrund zweier im Taxi vergessenen und zurückgebrachten Gepäckstücke (ein Lob dem Fahrer) den Flug auf den nächsten Tag verschieben (zuerst waren alle Flüge ausgebucht, dann klappte es doch), was uns eine zusätzliche ungeplante Nacht in einem Hotel auf dem Airport bescherte (Anruf bei Hertz in Alice Springs: "No Problem, Mate, wir halten die Reservierung des Autos aufrecht").

Die Faszination
des Outback

Hinter den besiedelten Küstenstreifen Australiens liegen mehr als 7 Millionen Quadratkilometer arider Ebene, karge Weiden, Wüsten, Buschland, Salzseen und verwitterte Gebirgszüge, und dies alles zusammen bezeichnet man als den Outback - den australischen Busch. Die vorherrschende Farbe des Outback ist braun. In seinen Randgebieten ist das Land ockerfarben, gesprenkelt mit dem Graugrün wasserspeichender Mulga- und Mallee-Sträucher. Das für Tier und Mensch lebensnotwendige Wasser fällt entweder als Regen oder stammt aus einem der Tausenden von artesischen Brunnen, die in das riesige unterirdische Reservoir des Großen Artesischen Beckens gesenkt wurden. Große Teile des Outback bestehen aus zahlreichen Wüsten, von denen jede ihren eigenen Charakter besitzt. Diese Wüsten umgeben das geographische Herz des Kontinents. Hier vertieft sich die Farbe des Landes zu einem braunen Ocker und dann zu einem sonnenverbrannten Rot. Das ist das Rote Zentrum, so benannt nach dem Eisenoxid, das Steine und Felsen rostrot färbt. Und im Mittelpunkt dieses Zentrallandes liegt der glattgeschliffene Sandstein-Monolit Ayers Rock.

Nachdem die Ureinwohner Australiens Zehntausende von Jahren die einzigen Menschen auf dem Kontinent gewesen waren, standen sie schon hundert Jahre nach Ankunft der Europäer vor der Ausrottung. Ihre Zahl ging zurück, sie wurden aus ihren Lebensräumen vertrieben, und ihre Gebräuche wurden weitgehend zerstört. Seit einigen Jahrzehnten wächst jedoch die Bevölkerungszahl wieder, und durch Gesetze wurden den Aborigines Teile ihres Gebietes zurückgegeben. Da sie keine Nomaden mehr sein können, müssen sie insoweit Kompromisse machen, daß sie Vieh halten und kunsthandwerkliche Gegenstände für den Verkauf anfertigen. Sie gehen noch wie früher auf die Jagd und bewahren ihre Kultur durch Malerei, Tanz und Gesang. Wenn ein Tourist die Nähe zu den Aborigines sucht, wird er meist enttäuscht. Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Unsere Kontakte beschränkten sich daher auf zufällige Begegnungen.

Alice Springs hat seit 1888 eine gewisse Provinzialität noch nicht abgelegt - das Leben hier ist einfach und anspruchslos. Offenkundiges Problem der Stadt sind der Alkoholismus und die Arbeitslosigkeit unter den Aborigines, deren Bevölkerungsanteil bei über 25 % liegt. Es kann im roten Zentrum von Juli bis August empfindlich kalt werden. Die Temperaturen schwanken im Winter von plus 23 Grad Celsius am Tag bis minus 2 Grad in der Nacht. Es war warm, als wir das Flugzeug verließen und per Taxi in die City fuhren, um das Mietauto zu übernehmen. Die Übergabe verlief nach Erledigung der Formalitäten (zusätzlich zum Führerschein ist eine englische Übersetzung des Führerscheines erforderlich, ein internationaler Führerschein ist nicht notwendig) problemlos. Bezahlt wurde mit Kreditkarte. Dann fuhren wir zum Supermarkt, um zu bunkern. Wir wollten anschließend 750 km nach Süden fahren, um die Stadt mit den typischen Maulwurfshügeln zu besuchen. Ohne Auto wären viele Australier, die außerhalb der Großstädte leben, vollkommen hilflos. Bezogen auf die Bevölkerungsanzahl werden weltweit nirgendwo mehr 4WD verkauft als in Australien. Mit dem Autofahren selbst im Linksverkehr hatten wir keine Probleme. Es ist hilfreich, sich bei einer der Unterorganisationen der Australian Automobil Association einen Führer (Tourist Park Guide) aller Caravan Parks zu kaufen. Mitglieder des ÖAMTC oder ARBÖ erhalten dieses Exemplar für ein paar Dollar. Wichtig für uns war die Auflistung der "powered sites", der Stellplätze mit Stromanschluß. Jeder Caravan Park entlang unserer Route, ob im Busch oder an der Ostküste, glänzte vor Reinlichkeit und Gepflegtheit, war eingerichtet mit Heißwasserduschen, sauberen Toiletten, Waschmaschinen mit Münzeinwurf, Grills, Kiosk. Wir zahlten im Durchschnitt $A 12:00 pro Person für die Übernachtung. Die Caravan Parks der Ketten "Top Tourist Park" und "Big 4" bieten einen hohen Standard.

Die Opalstadt Coober Pedy, bereits in Südaustralien, erhielt ihren Namen "kupa piti" (weißer Mann im Loch) von den Aborigines, die es komisch fanden, daß jemand in gleißender Hitze so tief buddelt. Die 4.000 Einwohner stammen aus 45 Nationen und verleihen dem Outbacknest ein besonderes Flair. Schräge Typen, Glücksritter und Lebenskünstler sind hier dem Opalfieber verfallen. Sie wohnen zum Schutz vor der glühenden Hitze in unterirdischen Wohnhöhlen. Bei zusätzlichen Raumbedarf sprengt man sich einfach ein Zimmer dazu. Seit 1915 wird in Coober Pedy Opal gefördert. Dazu werden Löcher in die Erde gesprengt, aus denen der Abraum per Förderband zu den charakteristischen Maulwurfshügeln aufgehäuft wird. Vorsicht - die Löcher werden nicht wieder zugeschüttet. Ein australisches Pensionistenehepaar auf dem Weg nach Norden in die Wärme konnte einfach nicht verstehen, daß Wahnsinnige Gefallen an diesen Steinhaufen finden können. Uns hat's gefallen. Nächsten Tag fuhren wir wieder nach Norden. Das Schönste am Ausflug nach Coober Pedy war die an uns vorbeiziehende, in prächtigen Farben gestaltete Landschaft. Im australischen Winter blüht der Busch. Einen Monat später wird alles wieder braun.

Südlich von Alice Springs zweigten wir beim Roadhouse Erlunda von der Stuart Highway nach Westen ab. Die Asphaltstraße war hervorragend präpariert. Alle Besucher des Ayers Rock müssen, wenn sie länger als einen Tag verweilen, in einem der Resorts nächtigen. Das 1984 eröffnete Multi-Millionen-Dollarprojekt "Yulara" mit seinen charakteristischen riesigen weißen Sonnensegel fügt sich zwar recht gut in die Landschaft ein, ist jedoch mit einem jährlichen Andrang von 250.000 Besuchern nicht mehr als Dorf, sondern als nahezu autarke Touristenstadt zu bezeichnen. Früher, vor 35 Jahren, war es anders und schöner. Damals lagen noch das alte Hotel und die Campingplätze rund um den Rock verstreut. Man fuhr mit dem Auto über die rumpelnde Landstraße, schluckte dabei eine Menge Staub, oder charterte eine Cessna und landete direkt vor dem Felsen. Heute wird der Touristenansturm gebündelt. Unser Besuch beschränkte sich auf eine Pflichtbesichtigung, meine, weil ich den Rock schon kenne und traurig war, und Werner, weil ihm der kommerzielle Rummel nicht gefiel. Nachmittags verließen wir das Gebiet. Wir fuhren über die Laratija Road zum Kings Canyon und über die Mereenie Loop Road nach Glen Helen. Das Befahren der Mereenie Loop Road, die aufgrund vieler sandiger Passagen nur mit einem 4WD zu bewältigen ist, erforderte ein Permit der traditionellen Eigentümer des Landes. Diese Fahrerlaubnis (Preis A$ 2:00) holten wir uns bereits im Kings Canyon Resort.

Die alte Missionsstation Hermannsburg der Lutheraner, deren bekanntester Abkömmling der Aborigine-Maler Albert Namatjira war (er ist, ganz untypisch für die Malerei der Aborigines, mit Aquarellen berühmt geworden) ist leider geschlossen. Im Supermarkt und in der Tankstelle von Hermannsburg wird nur Bargeld akzeptiert. Die Landschaft ist geprägt durch die spektakuläre Bergkette der westlichen MacDonell Ranges mit ihren roten Felsen, die häufig von Schluchten unterbrochen sind, in denen sich permanente Wasserlöcher gebildet haben. Wir stoppten bei der Lodge nahe der Felsenschlucht Glen Helen Gorge, um diesen Tag mit einem australischen Dinner abzuschließen. In Alice Springs ergänzten wir wieder unsere Vorräte. Hervorragend gestaltet ist der Zoo, Alice Springs Desert Park, in dem auf einer mehrere Hektar großen Fläche über 400 Tierarten, davon viele bedrohte Arten, zu sehen sind. Unter den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Alice Springs sind weiters der Royal Flying Doctor Service und die Old Telegraph Station zu nennen. Übrigens, der sehr aktive Alice Springs Yachtclub of Central Australia hat sich seit 1993 zum Hauptziel gesetzt, an den jährlichen Rennen zwischen Sydney und Hobart teilzunehmen, und das mit großem Einsatz. 1996 siegte "Alice's Neata Glass" in der Division F. Zuletzt hatte der Club 1997 an der Sydney Hobart Regatta teilgenommen. Alljährlich Ende September findet die Gaudi-Regatta "Henley-on-Todd" im ausgetrockneten Bett des Todd River statt. Dabei wird in zusammengezimmerten Booten samt Besegelung zwar nicht gefahren, sondern um die Wette gelaufen. Auch das ist Regattasegeln.

Die kürzeste Verbindung zwischen Alice Springs und Darwin mit 1.489 Straßenkilometer besteht über den gut ausgebauten Stuart Highway. Hier offenbarte sich die unendliche Weite des Kontinents. Klimatisch verläßt man den Outback Zentralaustraliens und nähert sich dem feuchtheißen "Top End". Den Übergang spürt man während der Autofahrt kaum, erst in Darwin wird man sich der veränderten geographischen Lage bewußt. Wir stoppten kurz bei den Devil Marbels. Diese gigantischen Granitkugeln sind Teil der wasserreichen Davenports Ranges. Im urigen Pub von Daly Waters genehmigten wir uns einige Drinks. Erst in der Stadt Katherine mußten wir in der Nacht nicht mehr frieren und konnten unsere Schlafsäcke zusammengerollt lassen.

Der Highway zweigt 226 Kilometer südlich von Darwin bei der Ortschaft Pine Creek zum Kakadu Nationalpark ab. Der Name "Kakadu" stammt aus Gadgadju, einer der Sprachen der Aborigines. Der Kakadu Nationalpark umfaßt knappe 20.000 km2 und ist von der UNESCO als Naturdenkmal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Das Gebiet beeindruckt durch seine unglaubliche Pflanzenvielfalt und die Tiere, vor allem die Krokodile. Hier wurden die Filme des "Crocodile Dundee" gedreht. Krokodile sind nie harmlos. Auf die Gefahr ihrer jederzeitigen Anwesenheit in diesen Gebieten wird in vielfältiger Art gewarnt. Diese Warnungen sind durchaus ernst zu nehmen. Trotzdem gibt es Unfälle mit tödlichem Ausgang. Krokodile mit über sechs Meter Länge, die besonders aggressiv sein können, werden von den Rangers gefangen und in die nördlichen Bereiche des Nationalparks transportiert. Natürlich kommen die "Crocs" früher oder später wieder zurück. In Cooinda nahmen wir an einer Bootsfahrt auf der Yellow Waters Lagune teil. Höhepunkt der zweistündigen Fahrt waren natürlich die Leistenkrokodile. Aber auch die faszinierende Vogelwelt und das weitläufige Buschland machten die Fahrt auf dem South Alligator River zu einem Abenteuer. In flachen Stahlbooten werden unter Führung eines fachkundigen Rangers Touren durch die sumpfige Flußlandschaft gemacht. Weiters besichtigten wir auch die 20.000 Jahre alten Felsmalereien am Nourlangie Rock, und genossen die spektakuläre Aussicht auf das Arnhemland. Unser Weg führte uns bis zum Ort Jaribu, von dort zurück zur Stuart Highway und in den Litchfield Nationalpark, der noch immer etwas abseits des üblichen Touristenstroms liegt.

Auch dieser Nationalpark ist ein Naturdenkmal der UNESCO. Zu seinen Hauptsehenswürdigkeiten gehören die Tolmer- und Wangi-Wasserfälle. Er besticht durch seine relative Unberührtheit und ist genauso aufregend und interessant wie der Kakadu Nationalpark. Nach diesen schönen Tagen im Top End setzten wir Kurs auf Darwin.

Darwin schien mir immer ein bißchen wie China. Am Weihnachtsabend 1974 zerstörte der Cyclone Tracy die Hauptstadt des Northern Territory komplett. 65 Tote waren zu beklagen. Ich verlor damals viele Plätze der Erinnerung. Das alte und verschlafene Darwin, so wie ich es kannte, ist nicht mehr. Nach dem raschen Wiederaufbau ist diese Stadt jetzt eine moderne Metropole. Der schweißsparende Lebensstil und eigene, manchmal scharfe, Liebreiz der Darwinesen hat sich jedoch, wie ich erfreut feststellen konnte, erhalten. In Darwin hielt die Royal Australian Air Force eine mit viel Lärm verbundene Nachtübung ab. Dabei verlor ein Jet eine unscharfe Bombe, die auf das Auto eines Australiers im Garten fiel. Das Auto sah wie eine Flunder aus. Der Mann verschluckte sich an seinem Bier und mußte folglich ins Krankenhaus. Peinlich, peinlich. Die lokale Presse überschüttete die RAAF mit Spott und Häme - der Bierkonsum stieg erheblich. Beim nächsten Ergebnis der Regionalliga war dieses peinliche Thema weg vom Fenster. Es menschelt oft bei den Aussies, das macht sie so sympathisch. Was wäre, wenn ... bei uns in Österreich? Nicht auszudenken - oder doch?

Wir besuchten den Darwin Sailing Club und wurden vom Commodore, Peter Chilman, herzlich begrüßt, der uns über das Clubleben im Top End erzählte. Der Club veranstaltet viele Regatten, zum Beispiel für die Bootsklassen Arafura Cadet, Mirror, Laser und Tasar. Die Clubmitglieder haben seit 1965 an nationalen und internationalen Meisterschaften teilgenommen. Der Club war oft Gastgeber der "Australian Catamaran Week" sowie der Nationalen Meisterschaften für Tasar, Laser und Minnows. Unser nächster Besuch galt dem Dinah Beach Cruising Yacht Club. Auch hier wurden wir freundlich als Gastmitglieder aufgenommen. Dieser Club widmet sich mehr den Fahrtenseglern, insbesondere den Weltumseglern, die hier regelmäßig anlegen, um ihre Schiffe zu reparieren, oder vielleicht für ein Jahr an Land zu stellen. Manche Eigner wohnen auf ihrem Schiff. Aus einem Jahr können mehrere werden. Dann rostet der Kahn vor sich hin, und/oder er wird mit tropischen Pflanzen in ein kleines farbiges Biotop verwandelt, alte Autoreifen dienen als Zaun. Am letzten Tag stellten wir unser Auto gereinigt im Depot von Hertz ab. Nächsten Morgen flogen wir nach Cairns. Ade Northern Territory, ade Abenteuer, willkommen sonniges Queensland.

Freizeitparadies
im Sonnenstaat

Queensland läßt sich klimatisch teilen in eine westliche trockene und eine östliche, von Passatwinden ausgiebig mit Feuchtigkeit versorgte Region. Weil hier die Sonne im Jahresmittel acht Stunden am Tag scheint, schmückt sich Queensland mit dem offiziellen Attribut Sunshine State. Starker Regen begrüßte uns in Cairns. Die Übernahme des zweiten Autos erfolgte problemlos. Das Great Barrier Reef ist die Heimat unzähliger tropischer, farbenprächtiger Fische, die in einträchtiger Symbiose mit den Korallen leben. In Port Douglas holten wir Tickets für das Barriere Reef und für die Kuranda Bahn. Wir buchten eine Fahrt mit einem modernen Super-katamaran von Quicksilver Cruises. Nach der Ankunft bei dem im Agin-court Reef verankerten Ponton konnten wir an vielen Aktivitäten, wie Schnorcheln oder Tauchen, teilnehmen. Zwischendurch servierte die Crew ein üppiges Mittagsmenü mit tropischen Köstlichkeiten. Um 16:00 Uhr wurden vor der Rückfahrt die Passagiere gezählt. Ein schöner Tag ging zu Ende. Wir genossen den warmen Abend im schicken Hafenkomlex von Port Douglas, der Marina Mirage. Ein besonderes Schmankerl war für uns der Ausflug mit der historischen Kuranda Scenic Railway, deren gewundene Strecke durch dichten Regenwald zur Barron Schlucht führt, wo ein Fotostop eingelegt wurde, und weiter zum Bahnhof Kuranda. Die Fahrt mit dieser Bergbahn ist ein Muß für jeden Eisenbahnfan.Von Kuranda schwebten wir mit der Gondelbahn "Skyline" die 8 km lange Strecke über dem tropischen Regenwald zurück nach Kuranda. So öffnete sich uns der Regenwald in einer völlig neuen Perspektive.

Noch hatten wir bis Brisbane rund 1.700 km vor uns. Fröhlich fuhren wir den Bruce Highway entlang nach Süden, hielten an vielen Stellen, übernachteten in Campingplätzen, manchmal in der Nähe herrlicher Buchten, plauderten mit Australiern und genossen die Freiheit der Landstraße. In Townsville befanden wir uns noch im Bereich der Tropen. Die Straße führte durch riesige Zuckerrohrplantagen. Die Ernte war in vollem Gange.

Wie so vieles andere in Australien haben die Whitsunday Islands ihren Namen von Kapitän James Cook erhalten. Die Whitsundays gelten als die paradiesischen Perlen des südlichen Great Barrier Reefs und Queenslands Küste. Ursprünglich bezeichnete Cook die von ihm entdeckten Inseln als Cumberland Islands. Später wurden die Cumberlands mit der Whitsunday Gruppe, der Lindmann Gruppe, der Anchor Islands und der Repuls Islands zusammengefaßt. Heute bezieht sich der Name "Whitsundays" allgemein auf all diese Inseln. Strahlend weiße Sandstrände und türkisblaues Wasser sind auf fast allen der 74 Inseln zu finden. Jedoch sind nur 7 Inseln bewohnt und mit Hotels versehen. Die Vielfalt der Inselwelt bedeutet für den Segler, daß er auch auf einem der zahlreich angebotenen Segeltörns viele unberührte Buchten entdecken kann. Die Whitsundays sind gespickt mit kleinen Inseln und Inselchen.

Die Whitsundays gehören landschaftlich zu den schönsten und seglerisch zu den sichersten Revieren der Welt. Sie sind auch für den nicht erfahrenen Segler ideal. Die vorgelagerten Riffe und Inseln halten die Brandung und den Schwell zurück, hier gibt es unzählige sichere Ankerplätze. Das ganze Jahr über herrschen gemäßigte Winde: von Mai bis September vorherrschend SO-Passatwinde, ansonsten ziemlich konstant vom Norden. Segelscheine sind nicht erforderlich, für die Motorboote genügt der Autoführerschein. Die Navigation ist einfach, denn die Inseln liegen dicht beieinander, man segelt auf Landsicht.

Die Verkehrsverbindungen sind wirklich günstig. Die Ortschaft Proserpine hat einen kleinen Flughafen der von Ansett als Eingangstor zu den Whitsundays angeflogen wird. Weiters gibt es einen großen Flughafen auf Hamilton Island im Zentrum der Whitsundays. Bevor man mit dem Auto zur Küste nach Airlie Beach abzweigt, sollte man in Proserpine seine Vorräte auffüllen, denn alles sei auf den Whitsundays teurer als woanders. Nun, wir befolgten diesen Hinweis, mußten jedoch erkennen, daß auf den Whitsundays grundsätzlich normale Preise Standard waren. Gar so geschröpft, wie man uns auch im Pub in Proserpine warnte, fühlten wir uns nicht. Allerdings waren wir Mitte August dort. Interessant ist, daß es unter den Einwohnern von Proserpine und Airlie Beach manchmal beachtliche Differenzen gibt. Die Leute von Proserpine neiden den Leuten von Airlie Beach deren beachtliche Gewinne aus dem Tourismusgeschäft. Auf der einen Seite der hart arbeitende Zuckerrohrfarmer und auf der an-deren Seite der überaus reiche Hotelbesitzer, nur über 40 km voneinander entfernt. Dieses Gefälle von reich zu arm ist, wenn man näher hinsieht, schon zu bemerken. Offen gesprochen wurde allerdings nie darüber, in Airlie Beach.

Als Stützpunkte bieten sich die Orte Canonvale, Airlie Beach und Shute Harbour an. Zusammen werden sie als Town of Whitsunday bezeichnet. Das Straßendorf Airlie Beach kann als Tourismus pur bezeichnet werden. Vor allem junges Publikum fühlt sich vom Trubel des Ortes angezogen. Alljährlicher Höhepunkt ist die Spiel- und Spaßregatta "Great Whitsunday Fun Race" im September. 10 km südöstlich von Airlie Beach liegt der kleine Ort Shute Harbour. Neben dem offiziellen Informatiosbüro (Whitsunday Tourism Association) existieren viele freundliche und kompetente private Vermittler. Über 100 Bootseigner bieten entweder organisierte Ausflüge an, oder stellen ihre Schiffe zum Chartern zur Verfügung.

Passionierte Segler durchkreuzen das Gebiet der Whitsundays an Bord einer Segelyacht. Man kann Segelboote mit Skipper (Crewed Charters) oder ohne Skipper (Barboat Charters) mieten. Entlang ruhiger Wasserwege in phantastischer Landesszenerie laden die traumhaften Sandstrände der Inseln zum Verweilen ein, während an den vorgelagerten Riffs ideale Bedingungen zum Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen bestehen. Wer Segeltörns mit Skipper chartert, hat die Wahl zwischen drei verschiedenen Schiffen (Auswahl, Stand 2000) sowie verschiedenen Kreuzfahrtrouten. Die "Coral Trekker" ist eine 23 Meter lange norwegische Segelyacht mit 2-, 4- oder 6-Bett-Kabinen. Sie bietet Platz für maximal 16 Gäste. Ein Kapitän, ein Koch ein Matrose und ein Tauchlehrer gehören zur Mannschaft. Die "Windjammer" ist ein klassischer, 22 Meter langer Schoner mit Doppel- oder Einzelkabinen. An Bord ist Platz für maximal 9 Passagiere und 3 Mann Crew. Die 17 Meter lange, ehemalige Hochseeregattayacht (Sydney-Hobart) "Apollo III", mit Doppelstockkojen im Salon für maximal 12 Personen bietet Segeln pur. In der Hochsaison (September bis Februar) wird selbstverständlich alles ein wenig teurer - aber wo auf dieser schönen Welt gibt es das nicht.

Segler, die eine Yacht ohne Skipper chartern wollen, sollen die gesamte Buchung zeitgerecht von Österreich veranlassen. Jedes Reisebüro in Österreich, das sich auf Australien spezialisiert hat, wird sicher eine Menge detaillierter Informationen liefern. Der Besuch der Boot Tulln zahlt sich für diesbezügliche Anfragen ebenso aus. Zusätzlich wäre der persönliche Kontakt mit dem australischen privaten Vermieter ganz wichtig, dessen Angebote wesentlich günstiger sein können. Für die Kontaktaufnahme gibt es im Internet eine Menge von Adressen (zum Beispiel Australian Sailing Guidebook mit links zu Clubs, Klassen, Wettervorhersagen, Gezeitentafeln in jedem Bundesstaat usw.), und per E-Mail kann dann weiter kommuniziert werden. Wir unterhielten uns nicht nur im Whitsundays Sailing Club mit australischen Seglern, die sich ganz überrascht zeigten, als sie hörten, daß der Neusiedler See durchschnittlich nur etwa 1,8 Meter tief ist.

Unsere Reise näherte sich der vorletzten Etappe mit dem Besuch eines steirischen Freundes in Brisbane, den ich noch von früher kenne. Gunther und seine charmante australische Frau, Denise, leben seit vielen Jahren in Brisbane. Beide nahmen uns für einige Tage in ihrem Haus auf. Mit Gunther fuhren wir westwärts Richtung Toowoomba zum Fischen. Gefangen haben wir nix, aber eine Hetz war's trotzdem. Beim Besuch einiger Yachtclubs in Brisbane, hatten wir das Gefühl, daß diese Clubs eher aus kommerziellen Gründen an Besuchern interessiert waren. Werner und ich bedanken uns nochmals recht herzlich für die australisch-österreichische Gastfeundschaft.

Rückgabe des Autos. Der letzte Abschnitt wurde mit der Eisenbahn zurückgelegt. Um 7:30 Uhr früh bestiegen wir in Brisbane Roma Street den Zug, der um 22:30 Uhr in Sydney Central ankam. Also, gemütlich war es sicher nicht, doch es war unser Wunsch, und damit sind wir um eine Erfahrung reicher. Die australischen Eisenbahnen bieten auf den Überlandstrecken sehr hohen Komfort an (wie der Indian Pacific von Sydney nach Perth), was bei Regionalzügen nicht der Fall ist. Countrylinks führen keine Speisewagen. Unser Zug war ein Countrylink XPT Service zwischen Brisbane und Sydney, dessen Garnituren den britischen High Speed Trains entsprechen. Sehr schnell fuhr er nicht, aber das lag am Unterbau. Die Bahn ist grundsätzlich reservierungspflichtig (unsere Buchung erfolgte bereits in Townsville). Im voll klimatisierten Zug herrschte Rauchverbot, was alle Raucher in den kurzen Stops auf den Bahnsteigen zu beachtlichen Inhalationen veranlaßte.

Der Jumbo startete pünktlich vom Sydney International Airport und setzte Kurs auf Singapur. Unter uns verschwindet der braune Kontinent hinter den Wolken. Bilderbuchlandung in Frankfurt. Der Hintern tat uns vom langen Flug und von den verschiedenen Sitzstellungen weh. Bis Wien mit der AUA war es nur ein Hupfer.

Fünfter Kontinent, sei's dir gerufen - wir kommen wieder!